Bin ich unglücklich? – Gefühlskarussell

Hallo ihr Lieben!

Heute nehme ich euch wieder mit in mein Gefühlskarussell. Zur Zeit ist es eine richtige Achterbahn und ich hoffe, dass sich das bald wieder legt.

Was ist los?

Es hat mehrere Gründe, warum ich momentan so aufgewühlt bin. Einer dieser Gründe ist der enorme Prüfungsstress, in dem ich zur Zeit stecke. Die Zeit für mich kommt daher viel zu kurz und ich laufe auf Hochtouren. Selbst wenn ich nicht gerade über meinen Skripten hänge, rotieren meine Gedanken.

Schaffe ich das alles?

Was passiert, wenn ich es nicht schaffe?

Wie geht es weiter?

Was könnte ich besser machen?

Wann kann ich wieder in den Reitstall?

Wie mache ich mit dem Blog weiter?

 

Und manchmal ist mein Kopf einfach leer. Wahnsinnig leer.

Bin ich unglücklich?

Nicht nur meine Gedanken kreisen, auch meine Gefühle erleben eine Achterbahnfahrt.

In einem Moment bin ich einfach gestresst und im nächsten bin ich unglücklich. Aber bin ich wirklich unglücklich? Im nächsten Augenblick bin ich schließlich einfach wahnsinnig froh.

Auch die Hochspannung, die ein Symptom meiner Borderline-Erkrankung ist, macht mir in letzter Zeit Probleme. Allerdings habe ich sie noch unter Kontrolle.

Doch nicht nur die Hochspannung ist momentan Thema. Nein, auch die Angst, besser gesagt die Panikattacken, haben sich wieder zurück gemeldet. Warum sie wieder da sind? Vielleicht, weil ich vor kurzem eine Retraumatisierung hatte. Oder weil ich momentan nicht die Zeit habe, mich so um mich selbst zu kümmern, wie ich es eigentlich bräuchte. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.

Trotzdem froh?

In den Zeiten, in denen es mir nicht so gut geht, merke ich schnell, wie froh ich um so manchen Menschen in meiner Umgebung bin.

Ich bin froh über meine Mutter, die mich aus dem Bett katapultiert und mir auch manchmal ein Spiegel ist, wie ich gerade drauf bin.

Ich bin froh über meine beste Freundin, die mir zur Seite steht, wenn sonst niemand da ist.

Ich bin froh über meinen Liebsten, der mir nicht böse ist, wenn ich ihn angrantl, weil ich mit der Gesamtsituation unzufrieden bin und einfach motzen will.

Ich bin froh über meine Therapeutin, die sich gefühlt jedes mal das Gleiche anhören muss, wenn ich zu ihr komme.

Früher war ich in den Momenten, in denen ich am Boden war, gar nicht mal so froh über all das. Ich konnte nicht erkennen, wie viel mir gegeben wurde. Jedes Wort hörte sich für mich an wie pure Kritik an meiner Person. Doch heute versuche ich ein bisschen Abstand zu nehmen. Quasi meine Situation von außen  zu betrachten.

Das, in Kombination mit vielen wertvollen Gesprächen und einer guten Form der Selbsthilfe, gibt mir Hoffnung. Ich weiß, dass es wieder besser werden wird. Und wenn nicht, habe ich immer einen Notfallplan.

 

Hier könnt ihr noch die anderen Beiträge zum Gefühlskarussell lesen, wenn es euch interessiert, was so in der Welt einer psychisch Kranken passiert.

Panik und Selbsthass

Depressive Phase?

 

Depressive Phase? – Gefühlskarussell – PiusLucius

Hallo ihr Lieben! Ich hoffe es geht euch gut!

Heute gibt es wieder einen Beitrag aus dem Format „Gefühlskarussell„, in dem ich euch ein bisschen einen Einblick in die Gefühlswelt einer an Depressionen und Borderline erkrankten Person geben will.

Seit dem letzten Beitrag habe ich kaum in mein Tagebuch geschrieben und es gibt da dieses mal einfach nichts, was ich euch zeigen kann beziehungsweise möchte. Darum werde ich euch einfach ein bisschen erzählen, wie es mir die letzten Wochen ging.

(Im Gegensatz zum Monatsrückblick, werde ich hier ausschließlich von meinen Gefühlen berichten und nicht von Erlebnissen per se.)

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die letzten Wochen schwierig für mich waren. Draußen wird es immer dunkler und das schlägt mir ziemlich aufs Gemüt. Ich kann mich nur schlecht aufraffen und würde am liebsten unter meiner Decke versteckt bleiben.

Meine Befürchtung ist es, dass ich gerade wieder in eine depressive Phase rutsche. Im Herbst beziehungsweise Winter ist das auch gar nicht so ungewöhnlich.

Es ist gar nicht so ein „Ich will nicht“, sondern ein „Ich kann nicht“, dass in mir schreit. Das Gefühlschaos, dass durch meinen Clown im Kopf verursacht wird, dominiert oft meine Gefühlswelt. Langsam wird dieses Chaos immer mehr von der inneren Leere  verdrängt.

Für mich persönlich ist das schlimmer als es die Symptome der BPS für mich sind. Aber ich kann diese Leere nur indirekt beeinflussen. Durch Bewegung, Licht und die richtige Ernährung, versuche ich dem gegen zu steuern.

Letztes Jahr habe ich euch auch ein paar Tipps gegeben, wie man mit Depressionen gut durch den Winter kommen kann. Diese Tipps versuche ich jetzt einfach vermehrt selbst zu befolgen.

Aber ich versuche meine momentane Situation, möglichst positiv zu sehen.

Ich habe euch in meinem Beitrag „Trotz Angst auf Konzerte gehen“ habe ich euch unter anderem von meinen Erlebnissen und Gefühlen erzählt, die ich am österreichischen Nationalfeiertag 2016 gehabt habe. Dieses Jahr war ich wieder an diesem Feiertag unterwegs und auch wenn ich zwischendurch ein mulmiges Gefühl hatte, war es um einiges besser als vergangenes Jahr. Zwar kann ich nicht sagen, ob ich einfach wieder mutiger geworden bin, oder ob ich die Gefühle wie zum Beispiel Angst durch die aufkeimende Depression einfach nicht so sehr spüre, aber das versuche ich jetzt einfach einmal auszublenden.

 

Wie erging es euch so in letzter Zeit?

 

Gruß und Kuss, 

PiusLucius

 

Gastgeflüster #1 – Meine Eltern haben sich das Leben genommen und ich liebe das Leben!

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Ilona – Foto: Luise Krömer

Über die ehrenamtliche Herzensarbeit beim Team Suizid  habe ich Ilona Krömer kennengelernt.

1991 nahmen sich ihre Eltern das Leben – trotzdem schafft es Ilona, das Leben zu lieben und hat darüber sogar ein Buch geschrieben, in dem sie das Geschehene verarbeitet und gibt ihren Lesern einen Einblick in ihre Geschichte. Sie hat Windhunden aus dem Tierschutz ein Zuhause gegeben und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei erwachsenen Töchtern in Sachsen Anhalt.

Sie arbeitet in einem Altenpflegeheim, begleitet also mittlerweile beruflich Menschen, die im Sterben liegen. Sie sagt, dass ein natürlicher Tod etwas sehr würdevolles sein kann, das Sterben gehört schließlich zum Leben dazu.

Ich finde, dass sie eine wunderbare und starke Frau ist und lieb wie sie ist hat sie mir Unterlagen zur Verfügung gestellt, damit ein paar Fragen beantwortet werden können.

Ilona, du hast eine wirklich schwere Zeit hinter dir. Wie hast du sie durchgestanden? Was hast dir am meisten geholfen?

Ich ging zu einer Psychologin, durch die ich erfahren habe, dass ich viel für mich tun kann um mir damit selbst zu helfen.

Auch der Glaube an Gott und die Kirchengemeinde haben mir sehr geholfen. Der Glaube war immer da. Er hat mich durch gute und schlechte Zeiten getragen.

Was hilft Hinterbliebenen? Wie kann man sie unterstützen?

  • Sich Zeit für Hinterblieben nehmen. Sie haben viel zu erzählen!
  • Auf sie zugehen. Ihnen sagen, dass sie zu einem kommen können, wenn sie reden möchten
  • Wenn man ihnen einfach zuhört und sie dann in den Arm nimmt.
  • Keine „Warum“ Fragen stellen – eine Antwort darauf gibt es nämlich nicht.

Was sollte man NICHT tun? 

  • Gerüchte in die Welt setzen. Die helfen niemandem – schon gar nicht den Angehörigen, denn die machen eine Zeit durch, die auch ohne Un – und Halbwahrheiten schon schwer genug ist.
  • Den Hinterbliebenen die Schuld am Suizid geben.
  • Sie ausgrenzen. Die Straßenseite wechseln, nur um nicht mit ihnen reden zu müssen.

Was möchtest du den Lesern mit auf den Weg geben? Was möchtest du ihnen sagen?

Ich möchte, dass auf das Thema Suizid mit mehr Sensibilität eingegangen wird. Betroffene beider Seiten leiden so oft an Ausgrenzung und Vorurteilen – und das zu Unrecht! 

Man kann einiges tun, um suizidalen Menschen und deren Angehörigen zu helfen! Engagiert euch, oder seid einfach da, wenn euch jemand braucht.

Falls ihr euch auf Facebook Ilonas Seite ansehen möchtet, dann klickt einfach einmal hier. Auf ihre Website gelangt ihr, wenn ihr hier klickt.

Ich habe auch mit Suizidgedanken zu kämpfen gehabt. Warum ich mich entschieden habe, trotzdem am Leben zu bleiben könnt ihr in diesem Beitrag lesen.

Viel Kraft wünschen wir!

 

Gruß und Kuss,

PiusLucius