Gastgeflüster#2 Depressionen

Vor einigen Tagen bekam ich eine Mail. Ukhti erzählte mir darin von ihrer Vergangenheit, von ihren Gefühlen und ihrem Weg mit Depressionen.

Sie schreibt:

 

„Depression
Für viele ist es keine Krankheit, sondern eine seelisch erdachter Humbug.

Doch ist sie eine schwerwiegende Krankheit, dieviele Ursachen und Auslöser hat und grade heute im 21. Jahrhundert sehr oft vertreten ist.

Ich selber litt an dieser Krankheit.

Ich möchte heute erzählen, wie sie bei mir entstand, wie ich damit lebte, umging und es letztendlich selber  behandelte, in sha ALLAH.

In meiner Kindheit erlebte ich etwas, was ich niemanden wünsche es erleben zu müssen.

Es änderte mein Leben, mein Vertrauen in die Menschen und besonders änderte es mein inneres.

Ich war für mich allein konnte niemanden mein Schicksal erzählen, niemanden anvertrauen, so war ich mit meiner Trauer allein und wusste nicht recht wie ich damit umgehen sollte.

Ich war 11 Jahre lass mich 12 gewesen sein. Wir wohnten in einer Gegend, wo viele Selbstmord begangen hatten, weil wir neben einem Hochhaus wohnten und viele von dort runter sprangen, es war in den frühen 90zigern.

So stellte ich mich eines Tages auch diesen Gedanken, dieser Situation.

Ich war wohl alleine Zuhause, begab mich auf dem Balkon und setzte mich auf die Balkonbrüstung, ein Bein nach draußen und das andere noch drinne, es war schon etwas dunkel. Ich schaute mich um, ich schaute nach unten, der türkische Obstladen hatte die Markise draußen gelassen.

So stellte ich mir Fragen:

  • wenn ich jetzt springe, dann fall ich auf die Markise, dann fall ich von dort auf den Boden und breche mir höchstens das Bein. Und dann?
  • warum sollte ich wirklich mein Leben jetzt ein Ende setzen? Nur wegen dieser Person?
  • nur weil ich mich so allein fühle grade?
  • soll mein Leben jetzt wirklich schon zu Ende sein? Ist mir nicht mehr bestimmt?

Hat Gott denn für mich wirklich das hier gewollt?

Ich ging von der Balkonbrüstung und begab mich in mein Zimmer, ich weinte und wie jedesmal wenn ich weinte kam meine geliebt Katze zu mir.
Sie war mein größter Trostspennder, sie war meine beste Freundin und ab mir die Geborgenheit, die ich nicht bei den Menschen bekam, auch nicht in meiner Familie.

So fing es an, das ich mein Schicksal überspielte, meine Trauer, meine angekratzte Persönlichkeit.

Ich lachte, obwohl ich weinen wollte.
Ich wurde aufmüpfig anderen gegenüber, statt die ängstliche zu sein.
Ich spielte die starke, obwohlich innerlich schwach war.

Ich war viel mit Freunden unterwegs und trank auch viel Alkohol, viel zu viel, so dass es schon nicht schön war.
Trotzallem war ich verschlossen und ließ niemanden an mich ran, ich öffnete mich niemanden.

Bis ich 1999/2000 jemanden kennenlernte und mich ihm anvertraute, doch es war nicht Erleichterung zu verspüren, ich verfiel in eine Sucht, trank nicht nur Alkohol, sonder rauchte Marihuana.

Es war eine heftig Zeit, ich konsumierte viel, ich benebelte meine Seele, ich war nur berauscht.
2007 änderte sich alles, mein Schicksal kam mir erneut hoch, ich war ganz allein an dem Ort, wo mein Schicksalsschlag began, wo mein Leben gegann sich zu wenden.

Allein stand ich da und war überflutet von Trauer, Wut, Hass, Liebe, Gefühlschaos und Angst.
Ich stand an diesem Ort und wusste nicht mehr weiter und floh, ich wandte mich diesem Ort ab und betrat ihn nie wieder.

Ich trennte mich von der anvertrauen Person.

Ich verfiel einer starken Depression, ich wollte mich nicht bewegen, ich wollte niemanden sehen, ich wollte nur allein sein, ich wollte mich nur berauschen.

Doch handelte ich diesmal anders, ich fing an zu meditieren, mich in mein inneres zu begeben und mich dem zu stellen. Ich ließ meinen Gefühlen freien Lauf.

Ich schrieb Gedichte, in denen ich meinen Gefühlen Ausdruck gab, in denen ich mich öffnete und ich es auch mit anderen teilte.

Ich öffnete mich den Menschen und erzählte ihnen mein Schicksal, mein Geschehen, was mich so belastete und änderte. Natürlich erzählte ich es nicht jedem.

Es war etwas gutes, es nicht verheimlichen zu müssen, einige kamen zurecht damit, für andere war es wie ein Faustschlag.

Doch für mich als Mensch war es Erleichterung, für meine Persönlichkeit eine Stärkung, eine innerliche Stärkung, ich fühlte mich wie ein Vogel der nach jahrelanger Käfighaltung endlich in Freiheit fliegen durfte.

Doch war die Depression dadurch nicht weg, ich war dennoch in gewisser Zeit depressiv gestimmt, weshalb ich dachte ich müsse mich in eine Therapie begeben, so ging ich 2008 zu einer Psychologin.

Doch geholfen hat sie mir in dem Sinne auch nicht viel. Sie öffnete mir nur die Augen, wie gut ich selber eine Schauspielerin geworden bin, wie ich mein Schicksal gut überspielten konnte und wie ich vor anderen gut spielen konnte.

Sie sagte mir, was für ein starker Mensch ich nur sei und das ich dass ganze schon gut selber verarbeitet habe.
Nun gut, also die Sitzungen waren dann auch um und ich ging weiter, mit der Depression weiter in der Tasche.

Mein Schicksal holte mich nicht mehr ein, dennoch war die Depression da, in der ich aber nicht mehr in ein tiefes Loch verfiel.
Doch merkte ich in manchen Situationen konnte ich mich nicht mehr bewegen, ich war wie
versteinert, ich schaute in die Leere und wusste noch nicht mal was ich denken sollte.

Denkt man da an eine Depression?, ich in dieser Zeit nicht.

In all den Jahren sah ich nicht, dass ich an Depression leide, niemand spricht darüber, keiner sagt einem was das wirklich ist und das es auch nichts schlimmes ist, also zumindest nichts so schlimmes, das man darüber redet und sagt ja ich leide an Depression!

2010 wurde ich schwanger und nahm das erste mal Omega3 Kapseln zu mir, weil ich meinem Kind was gutes tuen wollte. Ich merkte, dass diese Omega3 Kapseln mehr sind als nur Fischfette, sie änderten meine Stimmung, mein Gemütszustand. Wie in der Zeit, wo ich mich wie ein Vogel fühlte, der endlich frei fliegen durfte.

Ich nahm diese Omega3 Kapseln jetzt regelmäßiger. Ich verfiel nicht mehr so oft in Situationen, wo ich mich leer fühlte, mich nicht mehr bewegen konnte, es wurde weniger.

Seitdem ich noch Vitamin D und Magnesium hochdosiert nehme, kann ich sagen, ich leide nicht mehr an Depression!
Bin ich in Situationen, wo ich früher wie versteift da saß und nicht wusste, was ich sagen oder denken sollte, stehe ich auf und sage etwas und/oder wende mich dieser Situation ab.

Mich stärkten diese Vitamine noch extremer, sie gaben mir den klaren Blick für mich zu stehen, mir Kraft zu geben und mich zu stärken, auch nervlich.

Stresssituationen zu meistern und mich nicht verkriechen ließen.

Ich habe nun den Mut und die Kraft dagegen zu stehen und nicht zu verfallen.

Ich bin frei, stark und das auch innerlich!“

 

Wenn ihr mehr über sie erfahren möchtet, dann schaut mal hier.

Und wenn ihr mir auch ein Teil von Gastgeflüster sein wollt, dann schaut mal hier rein.

 

 

Gruß und Kuss,

PiusLucius

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