Meine Erfahrung mit Zwangsgedanken und was mir geholfen hat – Gastgeflüster

Hallo ihr Lieben!

Heute gibt es einen Gastbeitrag von der lieben Lea (wir haben ihren Namen geändert). Sie erzählt uns von ihren Zwängen und wie sie damit umgeht:

Was ist der Zwang?

Meine Therapeutin sagt, der Zwang ist ein Monster, das wir ins Abstellkammerl sperren müssen und wenn es sich herauswagt, schlagen wir die Türe wieder zu.

Der Zwang ist auch eine Störung des Gehirns, die dazu führt, dass unsinnige oder unangenehme Gedanken nicht aussortiert werden, sie bleiben quasi hängen im Gehirn und egal wie sehr man versucht sie abzuschütteln und sich ihrer Unangebrachtheit, Unsinnigkeit und Realitätsfremdheit bewusst ist, gehen sie trotzdem nicht einfach weg.

Je mehr man sie loswerden will, desto mehr Präsenz bekommen sie. Das hängt damit zusammen, dass Menschen wie ich – also Betroffene – mit sehr starken Emotionen, wie Angst, Ekel und Abscheu auf diese Gedanken reagieren, weil sie ihren eigenen Werten wiedersprechen.

Ich fände es zum Beispiel sehr schlimm ein gewalttätiger Mensch zu sein.

Das bin ich gar nicht, aber der Gedanke, es könnte so sein, macht mir sehr viel Angst. Wenn ich also einen aggressiven Gedanken habe, setzt sich dieser in meinem Kopf fest
und ich werde ihn nur schwer wieder los.
Pervers zu sein fände ich auch ganz schlimm – Perversionen rufen in mir ganz starke Abscheu und Ekel hervor.
Das sind Beispiele für Zwangsgedanken. Auf Zwangsgedanken reagieren Betroffene
mit Zwangshandlungen. Es gibt offene Zwangshandlungen, wie z.B. beim
Waschzwang, aber auch mentale Zwangshandlungen. Ich führe keine offenen
Zwangshandlungen aus – meine Form von Zwang unterscheidet sich daher von
den allgemeiner bekannten Zwängen – ich leide primär unter Zwangsgedanken.
Wohl aber versuche ich manchmal mich mental zu beruhigen, in dem ich mir z.B.
selbst rückversichere, dass ich nicht gewalttätig bin.
Das mag sinnvoll klingen, ist es aber nicht, weil das Gehirn dadurch lernt, dass es einen Grund gibt beunruhigt zu sein, wo es keinen gibt und dann immer öfter beruhigt werden muss, was nie lange klappt. Mentale Beruhigung ist eine verdeckte Zwangshandlung. Vermeiden ist auch eine Zwangshandlung.

Früher habe ich Dinge und Situationen vermieden, die mich an meine Zwangsgedanken erinnern könnten.

Solche Verhaltensweisen (Beruhigung, Vermeidung etc.) muss man lernen zu
unterlassen, weil sie den Zwang langfristig stabilisieren.
Am Anfang meiner Erkrankung wusste ich noch nicht was mit mir los ist, da hatte ich wirklich große Angst ich könnte tatsächlich ein schlechter Mensch sein und diese Vorstellung hat mich sehr, sehr traurig gemacht, weil ich mich immer sehr bemüht habe ein guter Mensch zu sein – da waren Beruhigung und Vermeidung quasi die einzigen
Methoden die mir einfielen um die Angst erträglich zu machen.

Der Zwang hatte einen massiven Angriff auf meine Identität gestartet und ich konnte mich immer schlechter dagegen wehren.

Ich musste sehr, sehr stark sein um das auszuhalten. Mir war damals meistens schon bewusst, dass meine Gedanken absurd sind, aber manchmal hat mich die Angst so erfasst, dass ich dachte, die Dinge die ich denke könnten wirklich wahr sein. Das ist jetzt viele Jahre später manchmal Inhalt meiner Zwangsgedanken.
Ich finde es ganz, ganz entsetzlich, dass mich der Zwang so im Griff hatte, dass ich diese Dinge manchmal wirklich kurz geglaubt habe, und deshalb setzt sich dann der Gedanke / die Erinnerung, dass das so war fest und ich grüble darüber nach.
Grübeln ist in meinem Fall auch ein Symptom des Zwangs und etwas von dem ich weiß, dass ich lernen muss es zu unterlassen, was mir aber noch schwer fällt.

Vor ca. drei Jahren ging es mir (nach gescheiterten Versuchen in psychoanalytischer und personenzentrierter Psychotherapie) über einen längeren Zeitraum sehr schlecht.

Ich Erfuhr vom 8- wöchigen verhaltenstherapeutischen Turnus im AKH.
Das Programm war für mich teilweise sehr anstrengend, weil es auf der Station wenig Rückzugsraum gab und es mich auch betrübt hat, so viele Menschen zu sehen, denen es auch schlecht geht.
Es hat mich auch gestört, dass die Therapeutinnen und die behandelnden
Ärzte noch in Ausbildung waren. Ich hätte mich sicherer gefühlt und besser
verstanden bei jemanden, der schon mehr Erfahrung gehabt hätte mit meinem
konkreten Problem.
Ich habe aber motiviert und engagiert an allen Therapien teilgenommen und einige Methoden zur Zwangsbewältigung gelernt. Die psychotherapeutische Leiterin der Station hat mir dann die Kontakte von drei Verhaltenstherapeutinnen gegeben, die sie für mich empfehlen würde und ich fand alle drei beim Erstgespräch schon sehr sympathisch.
Schließlich hab ich mich relativ intuitiv für einen Therapeutin entschieden und dort bin ich jetzt seit drei Jahren in Therapie.

Ich bin sehr froh, dass ich eine Verhaltenstherapie begonnen habe.

Meine Therapeutin hat mir viele unterschiedliche Übungen
beigebracht und wir haben stark an der Verbesserung meines Selbstwertgefühls
gearbeitet. Ich fühle mich von ihr akzeptiert und wertgeschätzt und mag sie sehr
gerne. Sie vermittelt mir, dass sie an mich glaubt und stolz ist auf mich und
meine Fortschritte.

Folgende Punkte haben mir in der Vergangenheit besonders geholfen und / oder helfen mir noch heute:

  • Es war für mich sehr wichtig eine Diagnose zu bekommen und zu lernen, was die Ursachen meiner Erkrankung sind und wie sie funktioniert.
  • Medikamente – Serotonin-Wiederaufnahmehemmer helfen meinem Gehirn dabei normal zu arbeiten.
  • Verhaltenstherapie – es gibt eine Menge Studien dazu, dass Verhaltenstherapie die langfristig wirksamste Methode für Zwangsstörungen ist. Andere Therapieformen sind leider oft wenig effektiv. Ich wünsche mir, dass Betroffene gleich an die richtige Adresse geschickt werden, wenn sie Hilfe suchen.
  • Beschäftigung mit Dingen, die mir Spaß machen, die mich Interessieren und die mir wichtig sind: Freunde treffen, kreativ sein, Bewegung, Arbeit und Studium.
  • Mir über meine eigenen Stärken und Qualitäten bewusst zu werden.“
Ich hoffe, ihr fandet den kleinen Einblick, den uns Lea in ihre Zwangsgedanken gegeben hat, auch so interessant wie ich. Sollten Fragen an sie aufkommen, kann ich diese gerne weiterleiten.

Gruß und Kuss,

PiusLucius

Beziehung mit einem psychisch Kranken? – PiusLucius & Davor

 

 

 

Hallo ihr Lieben 🙂

Ich hatte ja bereits angekündigt, dass mein Liebster und ich an einem kleinen Projekt für euch arbeiten. Und jetzt ist es endlich soweit! Wir haben einen gemeinsamen Beitrag für euch!

Eine Beziehung an sich ist ja schon nicht immer einfach. Eine Beziehung bedeutet auch Arbeit, auch wenn diese nicht unbedingt als Belastung wahrgenommen werden muss (das wollen wir ja vermeiden 😉 ) Wenn aber einer der beiden Parteien eine seelische Erkrankung hat, gestaltet sich eine Partnerschaft gleich nochmal schwieriger. Ihr meint, es ist kaum oder gar nicht möglich, eine funktionierende Partnerschaft zu führen, wenn einer von beiden psychische Probleme hat, die über eine „normale“ Krise hinausgeht? Die vielleicht sogar chronisch ist? Da sind wir anderer Meinung.

Wir haben unsere Tipps und Tricks für euch zusammengefasst, wie wir unsere Beziehung meistern – trotz psychischer Erkrankungen.

(M)ein Teil ist logischerweise aus der Sicht des Erkrankten und mein Liebster schreibt aus der Sicht des Angehörigen, also wundert euch nicht, wenn zwei unterschiedliche Schreibstile aufeinander prallen.

Meine Sicht der Dinge:

Mit dem Partner reden

Niemand kann uns hinter die Stirn schauen. Deshalb ist es umso wichtiger, mit dem Partner zu kommunizieren. Das gilt ja eigentlich für jede Beziehung, ob Krankheit oder nicht spielt da keine so große Rolle. Allerdings ist es umso wichtiger, wenn euer Partner eure „absurden“ Ängste, Sorgen oder Gedankengänge verstehen soll. Oft unterscheidet sich das Empfinden verschiedener Situationen sehr stark. Das sollte der oder die Liebste wissen.

Ich habe beispielsweise meinem Schatz meine Skillstasche und sogar ein paar Unterlagen aus verschiedenen Therapien mitgenommen, um ihm leichter erklären zu können, was so los ist. Er weiß auch, dass es für mich ein Skill ist, wenn ich irgendetwas in der Hand halte und die Struktur des Gegenstandes fühle.

Er weiß, welche Ängste ich habe. Er weiß von meiner Vergangenheit. Nur so kann er darauf achtgeben, mich nicht unnötig zu triggern.

All das funktioniert nur, weil wir miteinander kommunizieren. Weil wir uns über unser Befinden austauschen und so Verständnis und Vertrauen aufbauen können.

Der Partner ist kein Therapeut

Das widerspricht dem vorigen Punkt? Nein eigentlich nicht. Mit dem Partner Probleme zu besprechen ist wichtig. Ja. Allerdings ist er kein Therapeut, zumindest nicht eurer. Ein Therapeut hat eine ganz spezielle Verbindung zu seinem Klienten. Der Therapeut hat aber auch gelernt, sich zu schützen. Er hat gelernt, wie er berufliches und privates trennt. Deshalb kann man sich auch immer wieder bei ihm ausheulen, ohne sich mit seinen Problemen beschäftigen zu müssen.

Euer Partner kann das allerdings nicht. Schließlich steht er in einem ganz anderen Verhältnis zu euch! Er kann sich da nicht so sehr abgrenzen. Wie denn auch?

Achtet also darauf, dass ihr ihn nicht zu sehr belastet. Euer Freund bzw. eure Freundin hat es verdient, seine eigenen Probleme zu besprechen und einfach Spaß mit euch zu haben.

Findet euren gemeinsamen Weg

Jede Person ist individuell und hat somit seine ganz eigenen Bedürfnisse und Schwierigkeiten. Was für andere Paare funktioniert, muss nicht unbedingt für euch funktionieren.

Gerade wenn psychische Probleme vorhanden sind, kann es immer wieder zu kleineren und größeren Hürden kommen. Diese müssen aber nicht unbedingt ein Grund sein, warum eure Beziehung scheitert! Vielleicht müsst ihr nur einen anderen Lösungsweg ausprobieren?

pinwheel-1716620__340Probiert aus, was für euch funktioniert. Was andere davon halten ist da ziemlich egal – sie müssen es ja auch nicht zwingend wissen.

Ich schreibe meinem Freund zum Beispiel Briefe, wenn es um für mich schwierige Themen geht. Ich kann mich in ihnen besser ausdrücken, als durch gesprochene Sprache. Ich fühle mich wohler, weil ich mich selbst weniger unter Druck setze, schließlich kann ich im Zweifel den Text noch einmal neu schreiben, wenn ich will, ohne dass mein Freund die erste Version kennt.

Mit kleinen Tricks und kreativen Lösungsansätzen lässt es sich da ziemlich gut etwas Gemeinsames aufbauen. Nur Mut!

Man muss sich um sich selbst auch kümmern

Es ist als Einzelperson schon wichtig, dass man sich um sich selbst kümmert. Sei es eine Therapie, regelmäßige Urlaube oder sonst was. Ausgeglichenheit macht das Leben viel schöner! Und auch eurer Beziehung wird es gut tun, schließlich ist es auch für den Partner nicht einfach, wenn er merkt, dass es einem gar nicht gut geht.

Damit meine ich nicht, dass es einem ständig gut gehen muss, oder dass ich euch hiermit auffordere, eurem Liebling die Wahrheit über euren Gemütszustand zu sagen. Um Gottes Willen, Nein! Ihr sollt weiterhin aufrichtig sein und mal ehrlich, wer ist schon immer gut drauf? Nicht einmal eine „gesunde“ Person ist das. Aber so ein bisschen selfcare ist nun mal für euch selbst und auch für euren Partner wichtig.

Auch ist es wichtig, dass ihr euch bewusst macht, dass euer Glück nicht von der Beziehung abhängt! Nur ihr seid dafür zuständig! Wenn dann noch von außen eine Person hinzukommt, die einen noch glücklicher macht – toll! Aber die Welt geht ohne diese Person nicht unter. Auch wenn es sich vielleicht so anfühlen mag.

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Und jetzt aus Davors Sicht:

Ehrlichkeit, Vertrauen, Verständnis

Menschen bei denen die Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde, nehmen den

Alltag etwas anders wahr, als Menschen ohne. Auch bei Beziehungen. Viele Dinge die für einen selbst nicht problematisch und ganz selbstverständlich sind, können für einen Menschen mit BPS eine Herausforderung darstellen. Aber das ist nichts, was einen dabei aufhalten könnte, eine Beziehung zu führen. =)

– Aller Anfang ist schwer –

Schon das kennenlernen von anderen Menschen und das tägliche miteinander ist für Menschen mit BPS eine kleine Achterbahnfahrt. Ständiges Kreisen der Gedanken, wie einen die andere wahrnehmen, kann schon dazu führen, dass man an sich selbst zweifelt. Im Zweifelsfall können diese Gedanken dann auch zu Reaktionen führen, die dann für den anderen unangenehm sind. Doch wie können Menschen ohne BPS, Menschen mit BPS helfen, sich in schwierigen Situationen wohler zu fühlen? Vor allem in einer Beziehung?

Diese und andere Fragen haben die liebe PiusLucius und ich uns auch schon einige Male gefragt. Am Ende sind wir auf drei einfache, aber doch kraftvolle und manchmal schwierig zu handhabende Begriffe gekommen, die für uns und unsere Beziehung sehr wichtig sind: Ehrlichkeit, Vertrauen und Verständnis

– Ehrlichkeit –

Was bedeutet es denn genau, „ehrlich“ zum Partner zu sein? Ihm zu sagen, dass das eine Kleidungsstück doch nicht so gut an ihm aussieht, oder das man den Schokoriegel gegessen hat, der ja eigentlich dem Partner gehört?

Auch! Aber viel wichtiger ist es, mit dem Partner über seine Ängste zu sprechen und ihm ehrliche Meinungen/Antworten auf bestimmte Fragen zu geben, die diese Ängste betreffen. Menschen mit BPS wird so dann sogar doppelt geholfen: Ihre Gedanken kreisen nicht mehr die ganze Zeit nur um dieses eine Thema, das sie beschäftigt. Sie können sich entspannen. Außerdem trauen sie sich so auch immer mehr nachzufragen anstatt die Zweifel in sich hinein zu fressen.

Die liebe PiusLucius und ich haben uns am Anfang etwas schwer getan über diverse Themen zu reden, weil da eben immer diese Furcht und diese Zweifel waren. Also habe ich immer zuerst mit etwas angefangen das mich beschäftigt hat. Als Beweis, dass ich es ehrlich mit ihr meine und sie ernst nehme. Immer mehr und immer öfter haben wir dann über Dinge geredet und gemeinsame Antworten darauf gefunden.

– Vertrauen –

„Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat.“

Dieses Zitat stammt vom deutschen Dichter Matthias Claudius und sagt etwas ganz Wichtiges aus: Vertrauen ist eines der wichtigsten Geschenke die ein Mensch einem anderen Menschen machen kann.

town-sign-822236__340In jeder Beziehung ist das Vertrauen dem Partner gegenüber sehr wichtig, und wenn der Partner eine psychische Erkrankung (wie z.B. BPS) hat, ist es fast schon der wichtigste Grundpfeiler dieser Beziehung. Für Menschen mit BPS ist es gar nicht so einfach Vertrauen zu jemanden aufzubauen, weil immer wieder Zweifel und Ängste aufkommen. Dabei können Dinge, die einem in der Vergangenheit zugestoßen sind, ziemlich behindernd sein, aber durch gemeinsames Erleben, Erkunden und Erzählen, entsteht dann eine Verbindung zum anderen und man kann sich immer mehr vertrauen. So werden dann ganz alltägliche Dinge und Dinge die für andere „normal“ sind, einfacher zu bewältigen und man traut sich immer mehr neue Dinge.

– Verständnis –

Damit eine Beziehung über lange Zeit hinweg gut funktioniert, sind verschiedene Faktoren dafür ausschlaggebend. Neben Ehrlichkeit und Vertrauen, ist das Verständnis ein wichtiger Teil jeder Beziehung.

Doch was heißt das eigentlich? Dem Partner zuliebe etwas machen oder nicht machen, damit sich dieser bei einer bestimmten Handlung wohler fühlt?

Menschen mit psychischen Erkrankungen nehmen verschiedenes im Alltag anders wahr, als Menschen ohne. Vieles bereitet ihnen Unbehagen, obwohl es für andere Menschen nichts Außergewöhnliches ist. Auch in Beziehungen. Oder manchmal sogar vor allem in Beziehungen. Da ist es dann wichtig, den Partner bei der Bewältigung seiner Ängste zu unterstützen. Da kann es manchmal schon helfen, wenn man ihn auch einfach mal in Ruhe lässt, weil dieser gerade keine Lust hat sich zu unterhalten.

Verständnis zeigen heißt nicht unbedingt etwas dem Partner zuliebe zu tun, was man selber eigentlich nicht mag. Es heißt, ihn bei Schwierigkeiten unterstützen und ihm helfen sich wohler zu fühlen. PiusLucius und ich haben da mittlerweile schon unsere kleinen Tricks, wie wir mit diversen Situationen fertig werden. Z.b. lasse ich Ihr viel Zeit bei wichtigen Fragen und Entscheidungen oder gebe ihr eine kreative Möglichkeit, mir etwas mitzuteilen. Sie schreibt mir gelegentlich Briefe in denen sie beschreibt was sie beschäftigt und an dem sie gerne arbeiten möchte. So haben wir schon vieles geschafft, von dem sie bis vor gar nicht allzu lange Zeit gedacht hat, das sie es niemals schaffen wird.

– Zu guter Letzt –

Wie ihr lesen konntet, ist es nicht unmöglich eine Beziehung mit einem Menschen zu führen, der eine psychische Erkrankung hat. Es ist manchmal etwas anders und fordernder, weil verschiedenes anders angegangen werden muss, aber es ist nicht schlimm. Ich finde, dass so etwas die Beziehung nur stärker macht. Wenn man dann auf die diversen Meilensteine zurück schaut, die man gemeinsam passiert hat, ist es das alle mal wert gewesen. Ich hoffe ihr fandet meinen Beitrag zu unserem gemeinsamen Projekt interessant. Ich hoffe, dass ich demnächst mal wieder ein paar Zeilen für euch hinterlassen kann. =)

 

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Wir sind ein Team, denn so macht die Beziehung am meisten Spaß – trotz Hürden
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Trotz der Angststörung gehen wir gemeinsam auf Konzerte – mit genug Sicherheit und Vertrauen ist das möglich

Wir wünschen Euch allen von ganzem Herzen alles Gute und viel Kraft für euren Weg!

Pia&Davor

 

Therapie ist nicht immer einfach

Wie ihr wisst, gehe ich sehr gerne in Therapie. Warum? Das könnt ihr hier lesen.

Aber Therapie ist auch nicht immer einfach.

Das Aufarbeiten von Ängsten und Problemen ist schließlich nicht in einer Sitzung abgeschlossen. „Die Therapie passiert zwischen den Sitzungen.“, wurde mir einmal gesagt. Und die Person, die das sagte, hatte vollkommen recht! Schließlich durchdenkt man das Thema zu Hause nochmal und ist sich so manchem Problem mehr bewusst als zuvor.

Aber nicht nur zwischen den Sitzungen ist so eine Therapie nicht immer einfach!

Nein, manchmal stößt man auch während der Einheit gegen Mauern. Manchmal fühlt es sich an, als würde man aneinander vorbei reden. Manchmal traut man sich vielleicht nicht, ein Thema anzusprechen, dass einem am Herzen liegt. Manchmal kann es auch sein, dass man sich einfach nicht verstanden fühlt.

Zumindest geht es mir so. Wie gesagt gehe ich sehr gerne zur Gesprächstherapie, denn ich spüre, wie sie mir langfristig gut tut! Doch manchmal, da geht es mir danach so gar nicht gut.

Da ist es mir oft wichtig, mit jemand anderem darüber zu reden.  Und es schadet auch nicht, bei der nächsten Sitzung mit dem Therapeuten zu besprechen, was gestört hat oder wie man sich gefühlt hat. Schließlich können einem auch Leute vom Fach nicht hinter die Stirn schauen.

Zwischen den Sitzungen hilft mir oft ein Gedankenprotokoll – was das ist und wie man es führt werde ich euch in einem weiteren Beitrag erklären.

 

Gruß und Kuss,

PiusLucius

 

Gastgeflüster #1 – Meine Eltern haben sich das Leben genommen und ich liebe das Leben!

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Ilona – Foto: Luise Krömer

Über die ehrenamtliche Herzensarbeit beim Team Suizid  habe ich Ilona Krömer kennengelernt.

1991 nahmen sich ihre Eltern das Leben – trotzdem schafft es Ilona, das Leben zu lieben und hat darüber sogar ein Buch geschrieben, in dem sie das Geschehene verarbeitet und gibt ihren Lesern einen Einblick in ihre Geschichte. Sie hat Windhunden aus dem Tierschutz ein Zuhause gegeben und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei erwachsenen Töchtern in Sachsen Anhalt.

Sie arbeitet in einem Altenpflegeheim, begleitet also mittlerweile beruflich Menschen, die im Sterben liegen. Sie sagt, dass ein natürlicher Tod etwas sehr würdevolles sein kann, das Sterben gehört schließlich zum Leben dazu.

Ich finde, dass sie eine wunderbare und starke Frau ist und lieb wie sie ist hat sie mir Unterlagen zur Verfügung gestellt, damit ein paar Fragen beantwortet werden können.

Ilona, du hast eine wirklich schwere Zeit hinter dir. Wie hast du sie durchgestanden? Was hast dir am meisten geholfen?

Ich ging zu einer Psychologin, durch die ich erfahren habe, dass ich viel für mich tun kann um mir damit selbst zu helfen.

Auch der Glaube an Gott und die Kirchengemeinde haben mir sehr geholfen. Der Glaube war immer da. Er hat mich durch gute und schlechte Zeiten getragen.

Was hilft Hinterbliebenen? Wie kann man sie unterstützen?

  • Sich Zeit für Hinterblieben nehmen. Sie haben viel zu erzählen!
  • Auf sie zugehen. Ihnen sagen, dass sie zu einem kommen können, wenn sie reden möchten
  • Wenn man ihnen einfach zuhört und sie dann in den Arm nimmt.
  • Keine „Warum“ Fragen stellen – eine Antwort darauf gibt es nämlich nicht.

Was sollte man NICHT tun? 

  • Gerüchte in die Welt setzen. Die helfen niemandem – schon gar nicht den Angehörigen, denn die machen eine Zeit durch, die auch ohne Un – und Halbwahrheiten schon schwer genug ist.
  • Den Hinterbliebenen die Schuld am Suizid geben.
  • Sie ausgrenzen. Die Straßenseite wechseln, nur um nicht mit ihnen reden zu müssen.

Was möchtest du den Lesern mit auf den Weg geben? Was möchtest du ihnen sagen?

Ich möchte, dass auf das Thema Suizid mit mehr Sensibilität eingegangen wird. Betroffene beider Seiten leiden so oft an Ausgrenzung und Vorurteilen – und das zu Unrecht! 

Man kann einiges tun, um suizidalen Menschen und deren Angehörigen zu helfen! Engagiert euch, oder seid einfach da, wenn euch jemand braucht.

Falls ihr euch auf Facebook Ilonas Seite ansehen möchtet, dann klickt einfach einmal hier. Auf ihre Website gelangt ihr, wenn ihr hier klickt.

Ich habe auch mit Suizidgedanken zu kämpfen gehabt. Warum ich mich entschieden habe, trotzdem am Leben zu bleiben könnt ihr in diesem Beitrag lesen.

Viel Kraft wünschen wir!

 

Gruß und Kuss,

PiusLucius