Resilienz – Was ist das? | Gastgeflüster

Resilienz? Was ist das und wie können wir sie stärken?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich heute Saskia, die Gastautorin dieses Beitrags:

Resilienz – wieder so ein neumodischer „Psychokram“?

Ich muss zugeben, nach dem Hype um Stressmanagement, Work-Life-Balance & Co., wird Resilienz etwas sein, mit dem Sie sich zunächst skeptisch auseinandersetzen werden.

Zu Recht … es kommt ja nun wirklich permanent immer wieder irgendetwas Neues, mit dem es uns besser gehen soll … wir noch leistungsfähiger werden usw.

Hier muss ich Sie aber zu einem Teil enttäuschen, Resilienz ist kein neues „Wundermittel“ und wird auch mit Sicherheit nicht Ihre Leistung ins unermessliche steigern oder all Ihre Probleme und Unwägbarkeiten des täglichen Lebens lösen.

Resilienz ist ein Fachbegriff für etwas, das wir alle – der Eine mehr, der Andere weniger – bereits haben … nämlich die psychische Widerstandsfähigkeit. Also die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, bis hin zur Selbsterhaltung. Sozusagen das „Immunsystem der Seele“.

Den Begriff der Resilienz gibt es seit den 50-er Jahren. Im Laufe der Zeit hat sich die Begrifflichkeit etwas gewandelt. In den 50-er Jahren bezog sich die Bezeichnung „resilient“ auf die psychische Widerstandsfähigkeit in Extremsituationen. Heutzutage geht es auch um die angemessene Umgehensweise mit Belastungen der Arbeitswelt und Lebenskrisen.

Im Rahmen verschiedener Resilienzstudien wurden zum Beispiel resiliente Kinder als anpassungsfähig, belastbar, aufmerksam, tüchtig, neugierig und voller Selbstvertrauen beschrieben (Längsschnittstudie von Asendorpf und van Aken). Erstaunlich ist hier, dass Mädchen häufiger als resilient eingestuft wurden als Jungen.

Was beeinflusst nun die persönliche Resilienz?

Ihre persönliche Resilienz wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Von Umweltfaktoren (Familie, Kultur, soziales Umfeld etc.) über personale Faktoren (Intelligenz, Religiösität etc.) bis hin zu emotionalen Faktoren (Fähigkeit Emotionen und Handlungen zu kontrollieren).

Resilienz macht es Ihnen möglich, Bewältigungsstrategien für sich zu entwickeln. Je ausgeprägter Sie resilient sind, umso eher können Sie Krisensituationen bewältigen.

„Resiliente Personen besitzen die Fähigkeit, Möglichkeiten dort zu ergreifen, wo sie sich bieten.“ (Quelle: unbekannt) – dieses Zitat ist sehr zutreffend, ABER: auch resiliente Menschen stoßen an ihre Grenzen.

Nun genug zur „trockenen Theorie“ – was können Sie dafür tun, Ihre persönliche Resilienz zu steigern? Geht nicht, sagen Sie? Doch … das geht!

Ein paar kurz gefasste Denkanstöße:

  • Bestimmt das Schicksal über mein Leben, oder gibt es vielleicht auch andere Möglichkeiten? Einen Neuanfang zum Beispiel.

 

  • Lassen Sie sich im Falle einer Krisensituation nicht gänzlich davon lähmen. Fragen Sie sich lieber, was Ihnen jetzt gut tun würde … und TUN SIE ES! Wenn Sie sich von der Situation lähmen lassen, kommen Sie dort nie heraus.

 

  • Es ist vollkommen okay auch mal auf Abstand zu gehen. Es ist legitim, dass Sie sich Zeit nehmen die Situation zu betrachten und darüber nachzudenken, wie es nun weitergeht … OHNE „gute Ratschläge“ von außen.

 

  • Finden Sie Ihren „Gral“ … den Ort oder Tätigkeit, der zu Ihrem Wohlbefinden und klaren Gedanken beiträgt. Beim Einen ist es Sport, beim Anderen einfach nur für sich sein und nachdenken.

 

  • Wenn Sie denken, Sie bräuchten Rat, scheuen Sie sich nicht diesen einzuholen. Egal was Freunde und Familie evtl. dazu sagen, dass Sie deren „gute Ratschläge“ in den Wind schlagen und sich anderswo Rat holen.

 

Das Wichtigste ist aber: es ist IHR LEBEN – Sie und NUR SIE wissen am besten, wie Sie die Krise bewältigen und nicht kapitulieren.

Mir zum Beispiel hat es sehr geholfen ein Ehrenamt auszuüben. Auf meinem Blog führe ich den Zusammenhang von Resilienz und Ehrenamt genauer aus.

„In jeder Krise gibt es nicht nur eine Chance, sondern auch eine Möglichkeit“ (Martin Luther King).

In diesem Sinne: lassen Sie sich nicht beirren … es ist okay in einer schwierigen Situation wütend, traurig oder lethargisch zu sein. Aber: Sie finden einen Weg dort hinaus – jeder von uns hat ein gewisses Maß an Resilienz!

 

Ihr wollt mehr von Saskia lesen? Dann kommt ihr hier auf ihren Blog.

 

 

 

Was ich in 5 Jahren Therapie gelernt habe

Wie ihr wisst, bin ich in Psychotherapie. Mittlerweile sind es fünf Jahre, in denen ich regelmäßig zu Sitzungen mit meiner Gesprächstherapeutin gehe.

In der Therapie geht es nicht darum, dass meine Therapeutin mir Lösungen zu meinen Problemen gibt. Das kann sie auch gar nicht. Sondern sie gibt mir immer wieder Denkanstöße, indem sie mir die richtigen Fragen stellt, über die ich vor allem in der Zeit zwischen den Terminen nachdenke.

In den fünf Jahren habe ich einige Dinge gelernt und ein paar davon möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen.

Es gibt keine positiven oder negativen Gefühle

Für manche von euch mag das vielleicht gerade etwas komisch klingen. Was soll denn an Trauer, Wut und Angst positiv sein?

So einiges!

Angst schützt uns vor Gefahren. 

Trauer hilft uns, Verluste zu verarbeiten.

Wut zeigt uns, dass wir mit der Situation nicht zufrieden sind. 

Wir empfinden solche Gefühle oft als unangenehm und verurteilen sie daher schnell als „negativ“. Dabei sind auch diese Emotionen dazu da, uns zu schützen und gut durch unser Leben zu kommen.

(Deshalb ist es wichtig, diese auch zuzulassen. Nur wenn sie übermäßig und ohne „realen“ Grund aufkommen, sollte man dagegen vorgehen.)

Als ich noch sehr stark unter Angst und Trauer gelitten habe, wollte ich diese Sicht nicht wirklich wahrhaben, aber seit ich verstanden habe, dass diese Gefühle einen sinnvollen Ursprung haben, fällt es mir leichter damit umzugehen und daran zu arbeiten.

 

Auch unangenehme Gefühle vergehen

Alles ist vergänglich. So auch Gefühle. Angenehme Gefühle vergehen, aber eben auch unangenehme. Oft empfinde ich Gefühle als sehr schwer auszuhalten. Das führt schnell zu einer hohen Anspannung, die mich wiederum auf schlechte Gedanken bringt.

Meine Therapeutin sagt immer, wenn ich ihr von der Angst erzähle, die ich vor diesen Momenten habe: „Versuche dieses Gefühl auszuhalten, sitze es einfach aus. Auch wenn du schlechte Gedanken dabei hast. Deine Gefühle selbst können dir nichts tun und sie vergehen.“ 

Und ich muss sagen, dass sie recht hat mit ihrer Aussage. Auch wenn es manchmal richtig schwer ist zu glauben, vergehen auch die unschönen Zeiten.

 

Ich bin nicht verantwortlich für das Glück anderer

Oft habe ich mich sehr schlecht gefühlt, wenn jemand in meiner Umgebung wirklich unverständliche Entscheidungen trifft oder es der Person grundsätzlich schlecht geht, sich aber nicht wirklich helfen lässt.

Ehrlich gesagt überkommt mich da manchmal immer noch ein abgrundtief schlechtes Gewissen.

Ich kann ehrlich nicht sagen, wieso ich mich so dermaßen verantwortlich für andere fühle, aber es wird besser, denn ich habe gelernt, dass ich nicht für das Glück anderer Menschen verantwortlich bin, sondern nur für mein eigenes (und das meiner Tiere und später eventuell mal das meiner Kinder, aber das ist wieder eine andere Sache bezüglich Verantwortung und Abhängigkeit).

 

Ich habe das Recht NEIN zu sagen

Früher habe ich viele Dinge mit mir machen und über mich ergehen lassen, die ich so überhaupt nicht wollte. Ich ließ mir einreden, dass ich nicht zu widersprechen hätte, da ich sonst nicht geliebt werden würde.

Das macht über die Jahre ganz schön kaputt und ist einer der Gründe, warum ich zur Therapeutin gehe.

Durch die Gespräche habe ich immer mehr verstanden, dass ich durchaus das Recht habe, „nein“ zu sagen. Wer das nicht akzeptieren kann, hat an meiner Seite nichts mehr zu suchen.

Gerade dieser Punkt war für mich sehr lange schwer zu verinnerlichen. Auch jetzt habe ich manchmal noch ein schlechtes Gewissen oder fürchte, nicht mehr lieb gehabt zu werden.

Aber es ist auf alle Fälle besser geworden und meine Lebensqualität ist um einiges gestiegen.

Ich – und nur ich – darf Entscheidungen über meinen Körper treffen

Dieser Punkt hängt mit dem vorherigen zusammen, aber ich möchte ihn euch trotzdem noch einmal extra erklären.

Einige Menschen, wie beispielsweise mein Liebster, haben das Glück, so gut wie nie zum Arzt zu müssen und bis auch hin und wieder mal eine Erkältung sind sie fit.

Ich habe leider ein paar Baustellen. Nichts tragisches, aber ich muss den einen oder anderen Arzt dann doch öfter aufsuchen.

Grundsätzlich bin ich einer der Patienten, die sich leicht unterbuttern lassen. Oder besser gesagt ließen. Selbst wenn ich eine Untersuchung (natürlich keine überlebensnotwendigen) so gar nicht wollte, habe ich sie ohne Widerrede sofort machen lassen, auch wenn ich dadurch gelitten habe wie ein Hund. 

Es hat lange gedauert, aber seit dem letzten Jahr habe ich es verinnerlicht:

Ich bin die Chefin, wenn es um meinen eigenen Körper geht!

Ich bestehe, wenn ich es für nötig halte, auf eine Bedenkzeit. Wenn abgemacht war, dass diese oder jene Untersuchung nur stattfindet, wenn mein Freund dabei ist, dann beharre ich mittlerweile darauf, auch wenn ich dabei noch die eine oder andere Träne vergieße.

Mit diesem Punkt habe ich viel weniger Stress vor Arztterminen, da die vermeindliche Macht des Arztes über mich viel geringer und weniger gruselig ist.

 

Das waren meine fünf Dinge, die ich in fünf Jahren Gesprächstherapie gelernt habe.

Gruß und Kuss

PiusLucius