Der Clown in meinem Kopf

In meinem Kopf lebt ein Clown.

An sich ja kein Problem, schließlich sind Clowns ja lustig und stets gut gelaunt. Oder?

Ja und Nein. Auch Clowns sind nicht immer gut drauf. Manchmal sind sie so richtig grantig, ja gar boshaft! Zumindest ist es der in meinem Kopf.

Oft bringt er mich einfach zum Lachen und ich bin überglücklich. Ich könnte die ganze Welt umarmen, weil er mir zeigt, wie schön das Leben ist.

Der Clown schafft es aber auch, mich innerhalb von Sekunden auf die Palme zu bringen. Er lässt mich Dinge tun, die ich eigentlich gar nicht möchte. Er redet mir ein, dass ich nicht geliebt werde.

Er ist sehr launisch, weshalb er mir manchmal alle paar Momente etwas anderes einredet. Bei einem Streit möchte ich in der einen Sekunde, dass die andere Person  verschwindet, weil ich sie hasse. Wenn sie sich dann in der nächsten Sekunde umdreht, klammere ich mich an sie. Sie darf nicht gehen, schließlich liebe ich sie doch!

Ich lasse mich von dem Clown leiten. Schließlich ist er sehr überzeugend.

Aber ich muss lernen, ihn zu hinterfragen. Es ist nämlich oft gar nicht so klug, seinen Worten einfach Folge zu leisten. Durch ihn verletze ich die Menschen, die ich am meisten liebe, tue mir selbst weh und verbaue mir dadurch Möglichkeiten.

Mit der Hilfe meiner Therapeutin und durch die Unterstützung verschiedener Gruppen versuche ich selbstbestimmt zu leben. Ich kann den Clown nicht aus meinem Kopf schmeißen, aber ich kann einen Weg gehen, auf dem ich die Stimme des bösen Clowns leiser stellen versuche.

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Der Clown in meinem Kopf trägt den Namen „Borderline Persönlichkeitsstörung“  und ist Fluch und Segen zugleich, da ich Emotionen besonders stark spüre. Die positiven, so wie auch die weniger schönen.

Oft bin ich am Verzweifeln, weil ich einfach nicht die Kraft für diese Intensität habe.

Doch ich bin nicht so weit gekommen, um jetzt aufzugeben!

 

Gruß und Kuss,

PiusLucius

15 Kommentare zu „Der Clown in meinem Kopf

  1. Mein Clown ist eigentlich gar kein Clown. Er ist ein Monster und trägt den Namen „Angsterkrankung“!
    Vielleicht sollte ich die Bezeichnung aber nochmal überdenken, denn ein Clown würde mir besser gefallen. 😀
    Meine Mama hat diesen Clown auch und ich kann ein wenig nachvollziehen, wie du dich fühlst.

    Ich wünsche dir alles gute.

    Liebe Grüße
    Lola

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    1. Das Monster der Ängste kenne ich auch ein bisschen … ist ein Arschloch, aber wir sind stärker 😉

      Ich wünsche dir auch alles alles Liebe und Gute für deinen weiteren Weg

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  2. Danke für deinen Post. Ich glaube viele haben so einen Clown im Kopf…mal ist er größer und mal ist er kleiner. Wichtig ist nur, dass man sich dessen auch bewusst wird und sich jemanden anvertraut der sich mit Clowns auskennt. Ich drücke dir die Daumen für deinen weiteren Weg 🙂
    Liebe Grüße Nadine von tantedine.de

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  3. Ich finde es sehr mutig, dass du so offen über deinen Clown sprichst und bewundernswert wie du mittlerweile mit ihm umgehen kannst. Sicher tragen viele einen solchen mit sich herum. Nur können sich auch die Namen erheblich unterscheiden. Zudem ist es gut, dass du jemanden gefunden hast, der dich bei diesem Weg begleitet. Weiterhin viel Erfolg! Und lass den lustigen Clown ruhig häufiger in Erscheinung treten 😉
    Viele liebe Grüße aus Leipzig
    Anne

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  4. ich finde es toll wie du deine Erfahrung teilst, dadurch verstehen vielleicht auch Personen die diese Gefühle nicht erleben, besser was in dir vorgeht! Weiter so 🙂

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  5. Ich möchte nicht nur über diesen Beitrag kommentieren, sondern über Deinen gesamten Blog, und vor allem die Sparte mit den psychischen Erkrankungen. Also erst mal – Hut ab! Mutig darüber zu schreiben biste! Und damit offen umzugehen! Ich bin echt sehr beeindruckt! Mein Sohn ist auch psychisch erkrankt, einen genauen Namen hat seine Krankheit nicht, ist ja oft so, kann man schlecht beschreiben. Er ist auch oft depressiv, jetzt in der Pubertät kommt das auch häufiger raus. Suizid kam bisher noch nicht als Thema auf, allerdings bei anderen, denn mein Sohn war vollstationär in einer psychiatrischen Kinderklinik. Er freundete sich mit einigen anderen Jugendlichen an, da war alles dabei: Borderline, Magersucht, Bulimie, Suizid, Depression. Die meisten davon sind einfach unter dem Druck der Gesellschaft und der Schule zusammengebrochen. Schon schlimm sowas zu sehen, wie andere leiden.

    Du machst Menschen, die das selbe Schicksal erleiden, Mut. Mut, dass sie nicht alleine sind. Das ist sehr wichtig.

    Lieben Gruß, Bea.

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