Eine Überlebende sexueller Belästigung – Gastgeflüster

Hallo ihr Lieben!

Heute gebe ich wieder jemanden über das „Gastgeflüster“ die Möglichkeit, über seine Erfahrungen mit psychischen Problemen zu berichten. Dieses mal ist es die liebe Meike, der ich auf Instagram begegnet bin.

Sie schreibt:

„Ich heiße Meike, bin 17 Jahre alt und ich bin eine Überlebende. Wer die Serie „ToteMädchen lügen nicht“ gesehen hat, weiß jetzt sofort, über welches Thema ich in diesem Beitrag schreiben werde.

Sexuelle Belästigung!

Als ich das erste Mal sexuell belästigt wurde war ich 11. Aber das schlimmste Malwar, als ich gerade 15 geworden war. Ich war bei einem Jungen auf eine „Party“ eingeladen. Als ich nichtsahnend angekommen war, hatte ich bereits ein mulmiges Gefühl im Bauch. Im Keller, wo die Party stattfinden sollte saßen er undzwei seiner Freunde. Mir war sofort klar, dass das hier alles andere, als eine Party geben würde. Dennoch ging ich nicht, was ich bis heute bereue. Zuerst war alles okay, aber dennoch sehr angespannt und auf einmal ging es Schlag auf Schlag. Seine Freunde und er begangen mich abwechselnd anzufassen. Überall… Ich war wie erstarrt, wollte wegrennen, aber es ging nicht. Als einer der drei dann mein T-Shirt auszog und mich alle anstarrten, kam ein letzter Lebenswille in mir hoch. Ichschaffte es mich von den Händen der Jungs loszureißen und rannte. Ich rannte so schnell, wie nie zuvor und ich war geschockt, wie nie zuvor. In dieser Nacht dachten meine Eltern, dass ich bei einer Freundin schlafe, aber in Wirklichkeit warich die ganze Nacht zusammengekauert dagesessen und wusste nicht weiter.

Als ich am nächsten Tag heimkam, waren meine Eltern arbeiten. An diesem Tag war ich verstört in einer Ecke gesessen und vor mich hingestarrt. Ich fühlte völlige Leere, aber war dennoch voll mit Emotionen. Auch das viele und lange Duschen an diesem Tag und das Aufkratzen der Haut, bis sie blutig war ließ mich nicht von diesem widerlichen Gefühl auf meiner Haut entkommen.

Was macht ein solches Erlebnis mit einer Person?

Man mag es zuerst nicht glauben, aber es gibt tatsächlich ein paar wenige, gute Nebeneffekte neben den unendlich scheinenden Schlechten. Seitdem ist mir das Wohl anderer Menschen sehr wichtig. Ich sehe, wenn es einer Person nicht gut geht und irgendwie schaffe ich es meistens, dass die Personen mit mir über ihre Probleme reden und mich um Hilfe bitten, obwohl ich bisher nur einer Person auf dieser Welt die ganze Geschichte erzählt habe.

Allerdings verändert man sich auch sehr stark. Ich denke das Schlimmste ist, dass ein solches Ereignis es fast unmöglich macht einer Person blind zu vertrauen. Man denkt nach, ob vielleicht Freunde oder Menschen im eigenen Umfeld auch solche Dinge tun oder, ob ihnen schon solche Dinge passiert sind. Man wird in sich gekehrter, ruhiger und gibt sich die Schuld für das Geschehene.

Außerdem wird diese Situation mindestens 5 Mal am Tag in meinem Kopf abgespielt, wie ein Film, von dem man immer wieder die selbe Szene gezeigt bekommt. Ganz zu schweigen von den Alpträumen, die nachts auf mich warten. Was das sexuelle angeht, konnte ich mich zwei Jahre lang nicht wirklich öffnen. Küssen war das höchste der Gefühle, aber wenn mein Exfreund mir zum Spaß auf den Po klatschte oder meine Brust anfasste, kamen immer wieder diese Bilder in mir hoch und ich bekam jedes Mal Panik.

Ich spüre heute, zwei Jahre später, immer noch ihre Blicke auf meiner Haut.Aber es gibt Hoffnung! Das Wichtigste ist, dass darüber geredet wird und, dass man sich nicht selbst dafür verurteilt. Man selbst hat keine Schuld! Ich lenke mich viel durch Malen, Cello spielen oder singen auch, wenn ich keine begabte Sängerin bin, ab. Jeder muss seinen eigenen Weg finden mit einem solchen Erlebnis klar zu kommen und jeder wird damit klar kommen!“

 

gefangene Frau
Betroffene fühlen sich oft gefangen in ihren eigenen Gedanken und Erinnerungen…
Meikes Instagramseite : hilfe.bei.depressionen ; E-Mail: askmeforhelp@web.de

2 Kommentare zu „Eine Überlebende sexueller Belästigung – Gastgeflüster

  1. Da hätt ich sofort Anzeige erstattet, denn wenn die Jungs merken, dass sie damit ungeschoren durchkommen, dann suchen sie sich auch gleich das nächste Opfer. Deshalb ist der Gang zur Polizei eigentlich ein Muss, eine Pflicht, um andere potentielle Opfer zu schützen und man weiß ja, dass sich die Dosis immer steigert, die Täter immer mehr verlangen und ausprobieren. Auch wenn die Tat nicht zu beweisen ist, wäre sie dann aktenkundig und die nächste Vergewaltigung wäre dadurch nur schwer von den abartigen und empathielosen Sexualstraftätern zu leugnen .. Natürlich verstehe ich auch die Scham des traumatisierten Opfers .. trotzdem! LG PP

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