Alles verändert sich – Gefühlskarussell

Momentan steht alles Kopf und so ist es auch in mir drinnen gerade einfach ein Chaos.

Es ist so vieles passiert in den letzten Monaten, dass ich entschlossen habe, dass es wieder ein Gefühlskarussell geben soll. Das Format, in dem ich ganz offen und ungeschönt über meine Gefühle schreibe.

 

Nachdem das Semester aus war und ich viel Zeit zu Hause verbrachte, kamen alte Gedanken, Vorstellungen und Gefühle hoch. Ich war am Verzweifeln, denn meine Therapeutin war gerade in Sommerpause gegangen und obwohl ich weiß, dass ich sie auch da jederzeit kontaktieren kann, wenn ich sie brauche, habe ich das vorerst nicht gemacht. Es widerstrebt mir irgendwie sie anzurufen oder ihr zu schreiben, wenn sie sich gerade frei genommen hat.

Irgendwann meldete ich mich dann doch bei ihr. Sie gab mir ein paar Kontakte durch, an die ich mich im Notfall wenden sollte, was ich dann auch gemacht habe, denn ich spürte immer mehr, wie ich wieder in alte, schädliche Muster verfiel.

 

Im Juli verstarb dann meine geliebte Yoyo und das Loch, das sie in mir hinterlassen hat, ist immer noch eine klaffende Wunde. Dabei habe ich bereits in einigen Therapiesitzungen und auch in der Selbsthilfe darüber gesprochen.

Es war auch kein plötzlicher Tod. Yoyo wäre jetzt 15 und das obwohl sie als Welpe als Lebenserwartung etwa fünf bis maximal sieben Jahre prognostiziert bekam. Ja, im Alter war sie nach einem Schlaganfall schon etwas schief und auch die Demenz hat ihr und uns einige Steine in den Weg gelegt, aber sie war trotzdem ein glücklicher kleiner Hund.

Ihr Tod war also abzusehen und trotzdem hat es mich innerlich zerrissen, als sie auf meinem Schoß aufgehört hat zu atmen.

Zwei Tage lang lag ich eigentlich fast nur um Bett. Hätte ich meine anderen Hunde nicht, um die ich mich kümmern musste und denen ich den Schmerz nehmen wollte, wäre ich wohl noch länger liegen geblieben.

 

Dann beschlossen mein Liebster und ich, dass ich zu ihm ziehen würde.

Denn Yoyo war es gewesen, die mich bisher daran gehindert hat, zu ihm zu ziehen. Sie war schon so pflegebedürftig, dass ich sie nicht einfach mitnehmen hätte können, aber so auf mich bezogen, dass es auch keine Option gewesen war, sie bei meiner Mutter zu lassen.

Und ich brauchte eine Veränderung, die ich selbst in die Wege leiten konnte und mir nicht einfach vom Schicksal vor die Nase gesetzt bekam.

Natürlich habe ich mich über den Entschluss gefreut. Aber dann überkamen mich Ängste und Schuldgefühle.

Was, wenn die Beziehung nicht mehr funktioniert, wenn ich mit Davor zusammen ziehe? Trennen wir uns dann?

Und ist es nicht gemein Yoyo gegenüber, die Situation mehr oder weniger auszunutzen?

 

Sollte ich nicht lieber trauern, anstatt einen Umzug zu planen?

Das waren die Fragen, die sich immer mehr in mein Gehirn brannten, bis ich nicht mehr schlafen konnte und wieder instabiler wurde.

Immer mehr Ängste und Befürchtungen kamen auf und endlich kam der Tag, an dem ich nach der Sommerpause wieder bei meiner Therapeutin war.

Allerdings hatte ich mich in den Tagen und Wochen zuvor schon bei Freunden so weit geöffnet, dass es bei der Therapie gar nicht mehr so schwierig war auszusprechen, was gerade alles in meinem Kopf vor sich geht.

 

Nach und nach ging es mir besser.

Der Rest des Sommers verging und jetzt stand der Umzug schon vor der Tür. Nochmal überfielen mich meine Ängste. Ich konnte nicht schlafen und manchmal musste ich ganz plötzlich weinen. Zum Beispiel im Supermarkt, weil ich nicht gleich fand, was ich wollte.

Plötzlich war ich wieder total instabil. Meine innere Anspannung stieg immer wieder stark an, ich war schreckhaft und ängstlich. Die „kleine Pia“ in mir drängte sich in den Vordergrund.

 

Nach außen hin wirkte ich wohl auch ziemlich launisch. Naja, ich war es auch.

Jetzt wohne ich seit drei Wochen mit meinem Liebsten zusammen und ich merke, wie ich immer entspannter werde. Klar gibt es so Tage wie heute, an denen ich in nicht so guter Stimmung bin, aber das wird es immer geben und das ist auch okay so.

Ganz zu Beginn war es auch schwierig für mich, wirklich jede Nacht jemanden neben mir im Bett liegen zu haben, aber auch hier freue ich mich mittlerweile, dass ich jede Nacht die Möglichkeit habe, mit meinem Freund zu kuscheln.

Ich vermisse auch Anka und Flocke, die Hunde, die bei meiner Mama geblieben sind, ganz schrecklich. Dabei sehe ich sie mehrmals in der Woche.

 

Die verschiedensten Gefühle prasseln teilweise im Minutentakt auf mich ein und ich freue mich ehrlich auf die nächste Therapie-Einheit …

 

Gruß und Kuss,

PiusLucius

Bin ich unglücklich? – Gefühlskarussell

Hallo ihr Lieben!

Heute nehme ich euch wieder mit in mein Gefühlskarussell. Zur Zeit ist es eine richtige Achterbahn und ich hoffe, dass sich das bald wieder legt.

Was ist los?

Es hat mehrere Gründe, warum ich momentan so aufgewühlt bin. Einer dieser Gründe ist der enorme Prüfungsstress, in dem ich zur Zeit stecke. Die Zeit für mich kommt daher viel zu kurz und ich laufe auf Hochtouren. Selbst wenn ich nicht gerade über meinen Skripten hänge, rotieren meine Gedanken.

Schaffe ich das alles?

Was passiert, wenn ich es nicht schaffe?

Wie geht es weiter?

Was könnte ich besser machen?

Wann kann ich wieder in den Reitstall?

Wie mache ich mit dem Blog weiter?

 

Und manchmal ist mein Kopf einfach leer. Wahnsinnig leer.

Bin ich unglücklich?

Nicht nur meine Gedanken kreisen, auch meine Gefühle erleben eine Achterbahnfahrt.

In einem Moment bin ich einfach gestresst und im nächsten bin ich unglücklich. Aber bin ich wirklich unglücklich? Im nächsten Augenblick bin ich schließlich einfach wahnsinnig froh.

Auch die Hochspannung, die ein Symptom meiner Borderline-Erkrankung ist, macht mir in letzter Zeit Probleme. Allerdings habe ich sie noch unter Kontrolle.

Doch nicht nur die Hochspannung ist momentan Thema. Nein, auch die Angst, besser gesagt die Panikattacken, haben sich wieder zurück gemeldet. Warum sie wieder da sind? Vielleicht, weil ich vor kurzem eine Retraumatisierung hatte. Oder weil ich momentan nicht die Zeit habe, mich so um mich selbst zu kümmern, wie ich es eigentlich bräuchte. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.

Trotzdem froh?

In den Zeiten, in denen es mir nicht so gut geht, merke ich schnell, wie froh ich um so manchen Menschen in meiner Umgebung bin.

Ich bin froh über meine Mutter, die mich aus dem Bett katapultiert und mir auch manchmal ein Spiegel ist, wie ich gerade drauf bin.

Ich bin froh über meine beste Freundin, die mir zur Seite steht, wenn sonst niemand da ist.

Ich bin froh über meinen Liebsten, der mir nicht böse ist, wenn ich ihn angrantl, weil ich mit der Gesamtsituation unzufrieden bin und einfach motzen will.

Ich bin froh über meine Therapeutin, die sich gefühlt jedes mal das Gleiche anhören muss, wenn ich zu ihr komme.

Früher war ich in den Momenten, in denen ich am Boden war, gar nicht mal so froh über all das. Ich konnte nicht erkennen, wie viel mir gegeben wurde. Jedes Wort hörte sich für mich an wie pure Kritik an meiner Person. Doch heute versuche ich ein bisschen Abstand zu nehmen. Quasi meine Situation von außen  zu betrachten.

Das, in Kombination mit vielen wertvollen Gesprächen und einer guten Form der Selbsthilfe, gibt mir Hoffnung. Ich weiß, dass es wieder besser werden wird. Und wenn nicht, habe ich immer einen Notfallplan.

 

Hier könnt ihr noch die anderen Beiträge zum Gefühlskarussell lesen, wenn es euch interessiert, was so in der Welt einer psychisch Kranken passiert.

Panik und Selbsthass

Depressive Phase?

 

Depressive Phase? – Gefühlskarussell – PiusLucius

Hallo ihr Lieben! Ich hoffe es geht euch gut!

Heute gibt es wieder einen Beitrag aus dem Format „Gefühlskarussell„, in dem ich euch ein bisschen einen Einblick in die Gefühlswelt einer an Depressionen und Borderline erkrankten Person geben will.

Seit dem letzten Beitrag habe ich kaum in mein Tagebuch geschrieben und es gibt da dieses mal einfach nichts, was ich euch zeigen kann beziehungsweise möchte. Darum werde ich euch einfach ein bisschen erzählen, wie es mir die letzten Wochen ging.

(Im Gegensatz zum Monatsrückblick, werde ich hier ausschließlich von meinen Gefühlen berichten und nicht von Erlebnissen per se.)

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die letzten Wochen schwierig für mich waren. Draußen wird es immer dunkler und das schlägt mir ziemlich aufs Gemüt. Ich kann mich nur schlecht aufraffen und würde am liebsten unter meiner Decke versteckt bleiben.

Meine Befürchtung ist es, dass ich gerade wieder in eine depressive Phase rutsche. Im Herbst beziehungsweise Winter ist das auch gar nicht so ungewöhnlich.

Es ist gar nicht so ein „Ich will nicht“, sondern ein „Ich kann nicht“, dass in mir schreit. Das Gefühlschaos, dass durch meinen Clown im Kopf verursacht wird, dominiert oft meine Gefühlswelt. Langsam wird dieses Chaos immer mehr von der inneren Leere  verdrängt.

Für mich persönlich ist das schlimmer als es die Symptome der BPS für mich sind. Aber ich kann diese Leere nur indirekt beeinflussen. Durch Bewegung, Licht und die richtige Ernährung, versuche ich dem gegen zu steuern.

Letztes Jahr habe ich euch auch ein paar Tipps gegeben, wie man mit Depressionen gut durch den Winter kommen kann. Diese Tipps versuche ich jetzt einfach vermehrt selbst zu befolgen.

Aber ich versuche meine momentane Situation, möglichst positiv zu sehen.

Ich habe euch in meinem Beitrag „Trotz Angst auf Konzerte gehen“ habe ich euch unter anderem von meinen Erlebnissen und Gefühlen erzählt, die ich am österreichischen Nationalfeiertag 2016 gehabt habe. Dieses Jahr war ich wieder an diesem Feiertag unterwegs und auch wenn ich zwischendurch ein mulmiges Gefühl hatte, war es um einiges besser als vergangenes Jahr. Zwar kann ich nicht sagen, ob ich einfach wieder mutiger geworden bin, oder ob ich die Gefühle wie zum Beispiel Angst durch die aufkeimende Depression einfach nicht so sehr spüre, aber das versuche ich jetzt einfach einmal auszublenden.

 

Wie erging es euch so in letzter Zeit?

 

Gruß und Kuss, 

PiusLucius

 

Panik und Selbsthass – Gefühlskarussell – das neue Format |PiusLucius

Willkommen im neuen Format „Gefühlskarussell“!

Hier könnt ihr Ausschnitte aus meinem Tagebuch und auch Gedankenprotokollen lesen.

Warum ich mich hier so öffne? Naja, mir wurde schon öfter gesagt (im privaten Umfeld, aber auch von Lesern), dass es schwer ist, sich in den Alltag einer psychisch erkrankten Person hineinzuversetzen. So versuche ich ein bisschen mehr Verständnis in die Gesellschaft einzubringen.

Natürlich sind das von mir bewusst gewählte Ausschnitte, die für euch interessant sein könnten, aber mich trotzdem noch als Privatperson existieren lassen.

 

Montag 11.09.17

Die letzten Tage waren anstrengend. Am Wochenende war das Mittelalterfest in Eggenburg. Es war schön und den Großteil der Zeit haben mich die Menschenmengen und die hohen Lautstärken nicht sonderlich gestört. Aber dann plötzlich, als wir uns zu einer Bude stellten, weil ein Teil der Gruppe sich etwas zum Essen holen wollte, da kam die Nervosität. Sie entwickelte sich nur ganz knapp nicht zur Panik. Ich habe mich auf meinen Atem konzentriert und habe still vor mich hin gezählt. Es hat geholfen. Auch dass ich Davor gesagt habe, was los ist, hat gut getan. Aber trotzdem waren diese Minuten sehr kräfteraubend.

Gestern Abend ging es mir auch wirklich nicht gut. Den ganzen Tag über haben meine Gefühle geschwankt. Ein Gespräch, das ich am Samstag mit meinem Freund geführt habe, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Gegen Abend wurde es immer schlimmer, bis sich Schuldgefühle in mir festgesetzt haben. Erinnerungen kamen hoch, die ich am liebsten für immer aus meinem Kopf verbannen würde.

Ich konnte lange nicht einschlafen. Ich war zwar müde, hatte aber zu große Angst vor den Träumen, die in solchen Nächten häufig vorkamen. Irgendwann konnte ich mich zum Glück genug entspannen, um die Augen zu schließen und bin dann auch schnell eingeschlafen.

 

 

Dienstag 12.09.2017 (Gedankenprotokoll)

16:31

Unterricht

Nervös, unruhig

Ich mag hier weg. Es sind so viele Menschen hier.

Sie sollen leise sein

 

Freitag 15.09.17

Ich bin in den letzten Tagen irgendwie sehr unruhig. Ich kann es mir nur teilweise erklären.

Gestern hat mich eine wahnsinnige Angst vor den kommenden Monaten überfallen. Im Winter ist es ja immer recht finster und die Kälte zusätzlich macht mir auch oft zu schaffen. Hoffentlich überstehe ich diese Zeit gut. 

Mein Hoffnungsschimmer ist da die Weihnachtszeit. Die mag ich. Da gibt es Kekse, heißen Tee und bunte Lichter überall!

 

Montag 18.09.17

[…]

Heute bin ich wieder leicht nervös. Die vielen Geräusche überall machen mich momentan regelrecht wahnsinnig!

Das Wochenende war anstrengend. […] Da ging es mir auch gar nicht gut. Ich habe mich sehr einsam gefühlt und viel geweint. Irgendwann kam dann auch der Selbsthass. Ich war wütend auf mich, weil ich teilweise bei so alltäglichen und normalen Dingen so arge Probleme hab.

Gestern ging es mir dann schon viel besser. War bei Davor und wir haben uns „Coraline“ angeschaut. Bis auf den Frust durch die Regelschmerzen war die Verzweiflung weg.

 

Ihr wollt mehr von mir lesen? Dann schaut doch mal bei meiner Facebook-Seite vorbei, da halte ich euch immer auf dem Laufenden.

Gruß und Kuss, 

PiusLucius

 

Hier sind noch ein paar Beiträge, die euch interessieren könnten:

Mit Depressionen den Winter überstehen

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Der Winter ist für Menschen mit Depressionen eine besondere Herausforderung… Ich habe für euch ein paar Tipps zusammengestellt, die mir helfen, die dunklen und kalten Monate zu überstehen…

 

Der Clown in meinem Kopf

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In meinem Kopf lebt ein Clown…aber der ist nicht immer so lustig, wie man es sich wünscht. Mein Leben mit Borderline – eine Herausforderung.

6 Gute Gründe, am Leben zu bleiben

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Ich war selbst schon am Rand des Lebens. Ich wollte nicht mehr. Es gibt aber so viele gute Gründe, am Leben bleiben zu wollen!

Beziehung mit einem psychisch Kranken? – PiusLucius & Davor

 

 

 

Hallo ihr Lieben 🙂

Ich hatte ja bereits angekündigt, dass mein Liebster und ich an einem kleinen Projekt für euch arbeiten. Und jetzt ist es endlich soweit! Wir haben einen gemeinsamen Beitrag für euch!

Eine Beziehung an sich ist ja schon nicht immer einfach. Eine Beziehung bedeutet auch Arbeit, auch wenn diese nicht unbedingt als Belastung wahrgenommen werden muss (das wollen wir ja vermeiden 😉 ) Wenn aber einer der beiden Parteien eine seelische Erkrankung hat, gestaltet sich eine Partnerschaft gleich nochmal schwieriger. Ihr meint, es ist kaum oder gar nicht möglich, eine funktionierende Partnerschaft zu führen, wenn einer von beiden psychische Probleme hat, die über eine „normale“ Krise hinausgeht? Die vielleicht sogar chronisch ist? Da sind wir anderer Meinung.

Wir haben unsere Tipps und Tricks für euch zusammengefasst, wie wir unsere Beziehung meistern – trotz psychischer Erkrankungen.

(M)ein Teil ist logischerweise aus der Sicht des Erkrankten und mein Liebster schreibt aus der Sicht des Angehörigen, also wundert euch nicht, wenn zwei unterschiedliche Schreibstile aufeinander prallen.

Meine Sicht der Dinge:

Mit dem Partner reden

Niemand kann uns hinter die Stirn schauen. Deshalb ist es umso wichtiger, mit dem Partner zu kommunizieren. Das gilt ja eigentlich für jede Beziehung, ob Krankheit oder nicht spielt da keine so große Rolle. Allerdings ist es umso wichtiger, wenn euer Partner eure „absurden“ Ängste, Sorgen oder Gedankengänge verstehen soll. Oft unterscheidet sich das Empfinden verschiedener Situationen sehr stark. Das sollte der oder die Liebste wissen.

Ich habe beispielsweise meinem Schatz meine Skillstasche und sogar ein paar Unterlagen aus verschiedenen Therapien mitgenommen, um ihm leichter erklären zu können, was so los ist. Er weiß auch, dass es für mich ein Skill ist, wenn ich irgendetwas in der Hand halte und die Struktur des Gegenstandes fühle.

Er weiß, welche Ängste ich habe. Er weiß von meiner Vergangenheit. Nur so kann er darauf achtgeben, mich nicht unnötig zu triggern.

All das funktioniert nur, weil wir miteinander kommunizieren. Weil wir uns über unser Befinden austauschen und so Verständnis und Vertrauen aufbauen können.

Der Partner ist kein Therapeut

Das widerspricht dem vorigen Punkt? Nein eigentlich nicht. Mit dem Partner Probleme zu besprechen ist wichtig. Ja. Allerdings ist er kein Therapeut, zumindest nicht eurer. Ein Therapeut hat eine ganz spezielle Verbindung zu seinem Klienten. Der Therapeut hat aber auch gelernt, sich zu schützen. Er hat gelernt, wie er berufliches und privates trennt. Deshalb kann man sich auch immer wieder bei ihm ausheulen, ohne sich mit seinen Problemen beschäftigen zu müssen.

Euer Partner kann das allerdings nicht. Schließlich steht er in einem ganz anderen Verhältnis zu euch! Er kann sich da nicht so sehr abgrenzen. Wie denn auch?

Achtet also darauf, dass ihr ihn nicht zu sehr belastet. Euer Freund bzw. eure Freundin hat es verdient, seine eigenen Probleme zu besprechen und einfach Spaß mit euch zu haben.

Findet euren gemeinsamen Weg

Jede Person ist individuell und hat somit seine ganz eigenen Bedürfnisse und Schwierigkeiten. Was für andere Paare funktioniert, muss nicht unbedingt für euch funktionieren.

Gerade wenn psychische Probleme vorhanden sind, kann es immer wieder zu kleineren und größeren Hürden kommen. Diese müssen aber nicht unbedingt ein Grund sein, warum eure Beziehung scheitert! Vielleicht müsst ihr nur einen anderen Lösungsweg ausprobieren?

pinwheel-1716620__340Probiert aus, was für euch funktioniert. Was andere davon halten ist da ziemlich egal – sie müssen es ja auch nicht zwingend wissen.

Ich schreibe meinem Freund zum Beispiel Briefe, wenn es um für mich schwierige Themen geht. Ich kann mich in ihnen besser ausdrücken, als durch gesprochene Sprache. Ich fühle mich wohler, weil ich mich selbst weniger unter Druck setze, schließlich kann ich im Zweifel den Text noch einmal neu schreiben, wenn ich will, ohne dass mein Freund die erste Version kennt.

Mit kleinen Tricks und kreativen Lösungsansätzen lässt es sich da ziemlich gut etwas Gemeinsames aufbauen. Nur Mut!

Man muss sich um sich selbst auch kümmern

Es ist als Einzelperson schon wichtig, dass man sich um sich selbst kümmert. Sei es eine Therapie, regelmäßige Urlaube oder sonst was. Ausgeglichenheit macht das Leben viel schöner! Und auch eurer Beziehung wird es gut tun, schließlich ist es auch für den Partner nicht einfach, wenn er merkt, dass es einem gar nicht gut geht.

Damit meine ich nicht, dass es einem ständig gut gehen muss, oder dass ich euch hiermit auffordere, eurem Liebling die Wahrheit über euren Gemütszustand zu sagen. Um Gottes Willen, Nein! Ihr sollt weiterhin aufrichtig sein und mal ehrlich, wer ist schon immer gut drauf? Nicht einmal eine „gesunde“ Person ist das. Aber so ein bisschen selfcare ist nun mal für euch selbst und auch für euren Partner wichtig.

Auch ist es wichtig, dass ihr euch bewusst macht, dass euer Glück nicht von der Beziehung abhängt! Nur ihr seid dafür zuständig! Wenn dann noch von außen eine Person hinzukommt, die einen noch glücklicher macht – toll! Aber die Welt geht ohne diese Person nicht unter. Auch wenn es sich vielleicht so anfühlen mag.

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Und jetzt aus Davors Sicht:

Ehrlichkeit, Vertrauen, Verständnis

Menschen bei denen die Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde, nehmen den

Alltag etwas anders wahr, als Menschen ohne. Auch bei Beziehungen. Viele Dinge die für einen selbst nicht problematisch und ganz selbstverständlich sind, können für einen Menschen mit BPS eine Herausforderung darstellen. Aber das ist nichts, was einen dabei aufhalten könnte, eine Beziehung zu führen. =)

– Aller Anfang ist schwer –

Schon das kennenlernen von anderen Menschen und das tägliche miteinander ist für Menschen mit BPS eine kleine Achterbahnfahrt. Ständiges Kreisen der Gedanken, wie einen die andere wahrnehmen, kann schon dazu führen, dass man an sich selbst zweifelt. Im Zweifelsfall können diese Gedanken dann auch zu Reaktionen führen, die dann für den anderen unangenehm sind. Doch wie können Menschen ohne BPS, Menschen mit BPS helfen, sich in schwierigen Situationen wohler zu fühlen? Vor allem in einer Beziehung?

Diese und andere Fragen haben die liebe PiusLucius und ich uns auch schon einige Male gefragt. Am Ende sind wir auf drei einfache, aber doch kraftvolle und manchmal schwierig zu handhabende Begriffe gekommen, die für uns und unsere Beziehung sehr wichtig sind: Ehrlichkeit, Vertrauen und Verständnis

– Ehrlichkeit –

Was bedeutet es denn genau, „ehrlich“ zum Partner zu sein? Ihm zu sagen, dass das eine Kleidungsstück doch nicht so gut an ihm aussieht, oder das man den Schokoriegel gegessen hat, der ja eigentlich dem Partner gehört?

Auch! Aber viel wichtiger ist es, mit dem Partner über seine Ängste zu sprechen und ihm ehrliche Meinungen/Antworten auf bestimmte Fragen zu geben, die diese Ängste betreffen. Menschen mit BPS wird so dann sogar doppelt geholfen: Ihre Gedanken kreisen nicht mehr die ganze Zeit nur um dieses eine Thema, das sie beschäftigt. Sie können sich entspannen. Außerdem trauen sie sich so auch immer mehr nachzufragen anstatt die Zweifel in sich hinein zu fressen.

Die liebe PiusLucius und ich haben uns am Anfang etwas schwer getan über diverse Themen zu reden, weil da eben immer diese Furcht und diese Zweifel waren. Also habe ich immer zuerst mit etwas angefangen das mich beschäftigt hat. Als Beweis, dass ich es ehrlich mit ihr meine und sie ernst nehme. Immer mehr und immer öfter haben wir dann über Dinge geredet und gemeinsame Antworten darauf gefunden.

– Vertrauen –

„Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat.“

Dieses Zitat stammt vom deutschen Dichter Matthias Claudius und sagt etwas ganz Wichtiges aus: Vertrauen ist eines der wichtigsten Geschenke die ein Mensch einem anderen Menschen machen kann.

town-sign-822236__340In jeder Beziehung ist das Vertrauen dem Partner gegenüber sehr wichtig, und wenn der Partner eine psychische Erkrankung (wie z.B. BPS) hat, ist es fast schon der wichtigste Grundpfeiler dieser Beziehung. Für Menschen mit BPS ist es gar nicht so einfach Vertrauen zu jemanden aufzubauen, weil immer wieder Zweifel und Ängste aufkommen. Dabei können Dinge, die einem in der Vergangenheit zugestoßen sind, ziemlich behindernd sein, aber durch gemeinsames Erleben, Erkunden und Erzählen, entsteht dann eine Verbindung zum anderen und man kann sich immer mehr vertrauen. So werden dann ganz alltägliche Dinge und Dinge die für andere „normal“ sind, einfacher zu bewältigen und man traut sich immer mehr neue Dinge.

– Verständnis –

Damit eine Beziehung über lange Zeit hinweg gut funktioniert, sind verschiedene Faktoren dafür ausschlaggebend. Neben Ehrlichkeit und Vertrauen, ist das Verständnis ein wichtiger Teil jeder Beziehung.

Doch was heißt das eigentlich? Dem Partner zuliebe etwas machen oder nicht machen, damit sich dieser bei einer bestimmten Handlung wohler fühlt?

Menschen mit psychischen Erkrankungen nehmen verschiedenes im Alltag anders wahr, als Menschen ohne. Vieles bereitet ihnen Unbehagen, obwohl es für andere Menschen nichts Außergewöhnliches ist. Auch in Beziehungen. Oder manchmal sogar vor allem in Beziehungen. Da ist es dann wichtig, den Partner bei der Bewältigung seiner Ängste zu unterstützen. Da kann es manchmal schon helfen, wenn man ihn auch einfach mal in Ruhe lässt, weil dieser gerade keine Lust hat sich zu unterhalten.

Verständnis zeigen heißt nicht unbedingt etwas dem Partner zuliebe zu tun, was man selber eigentlich nicht mag. Es heißt, ihn bei Schwierigkeiten unterstützen und ihm helfen sich wohler zu fühlen. PiusLucius und ich haben da mittlerweile schon unsere kleinen Tricks, wie wir mit diversen Situationen fertig werden. Z.b. lasse ich Ihr viel Zeit bei wichtigen Fragen und Entscheidungen oder gebe ihr eine kreative Möglichkeit, mir etwas mitzuteilen. Sie schreibt mir gelegentlich Briefe in denen sie beschreibt was sie beschäftigt und an dem sie gerne arbeiten möchte. So haben wir schon vieles geschafft, von dem sie bis vor gar nicht allzu lange Zeit gedacht hat, das sie es niemals schaffen wird.

– Zu guter Letzt –

Wie ihr lesen konntet, ist es nicht unmöglich eine Beziehung mit einem Menschen zu führen, der eine psychische Erkrankung hat. Es ist manchmal etwas anders und fordernder, weil verschiedenes anders angegangen werden muss, aber es ist nicht schlimm. Ich finde, dass so etwas die Beziehung nur stärker macht. Wenn man dann auf die diversen Meilensteine zurück schaut, die man gemeinsam passiert hat, ist es das alle mal wert gewesen. Ich hoffe ihr fandet meinen Beitrag zu unserem gemeinsamen Projekt interessant. Ich hoffe, dass ich demnächst mal wieder ein paar Zeilen für euch hinterlassen kann. =)

 

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Wir sind ein Team, denn so macht die Beziehung am meisten Spaß – trotz Hürden
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Trotz der Angststörung gehen wir gemeinsam auf Konzerte – mit genug Sicherheit und Vertrauen ist das möglich

Wir wünschen Euch allen von ganzem Herzen alles Gute und viel Kraft für euren Weg!

Pia&Davor

 

Therapie ist nicht immer einfach

Wie ihr wisst, gehe ich sehr gerne in Therapie. Warum? Das könnt ihr hier lesen.

Aber Therapie ist auch nicht immer einfach.

Das Aufarbeiten von Ängsten und Problemen ist schließlich nicht in einer Sitzung abgeschlossen. „Die Therapie passiert zwischen den Sitzungen.“, wurde mir einmal gesagt. Und die Person, die das sagte, hatte vollkommen recht! Schließlich durchdenkt man das Thema zu Hause nochmal und ist sich so manchem Problem mehr bewusst als zuvor.

Aber nicht nur zwischen den Sitzungen ist so eine Therapie nicht immer einfach!

Nein, manchmal stößt man auch während der Einheit gegen Mauern. Manchmal fühlt es sich an, als würde man aneinander vorbei reden. Manchmal traut man sich vielleicht nicht, ein Thema anzusprechen, dass einem am Herzen liegt. Manchmal kann es auch sein, dass man sich einfach nicht verstanden fühlt.

Zumindest geht es mir so. Wie gesagt gehe ich sehr gerne zur Gesprächstherapie, denn ich spüre, wie sie mir langfristig gut tut! Doch manchmal, da geht es mir danach so gar nicht gut.

Da ist es mir oft wichtig, mit jemand anderem darüber zu reden.  Und es schadet auch nicht, bei der nächsten Sitzung mit dem Therapeuten zu besprechen, was gestört hat oder wie man sich gefühlt hat. Schließlich können einem auch Leute vom Fach nicht hinter die Stirn schauen.

Zwischen den Sitzungen hilft mir oft ein Gedankenprotokoll – was das ist und wie man es führt werde ich euch in einem weiteren Beitrag erklären.

 

Gruß und Kuss,

PiusLucius