Trotz Angststörung aufs Festival

Ein Festival kann eine echt coole Sache sein, wenn man das richtige für sich gefunden hat.

Wenn man allerdings eine Angststörung hat, kann so ein Festival aber eine sehr große Herausforderung werden.

Ich habe es gewagt und bin dieses Jahr aufs Nova Rock gefahren. Das letzte Mal war ich im Jahr 2015 dort.

Seither hat sich einiges in meinem Leben geändert. Zwischendurch ging es mir so mies, dass ich nicht mal mit den Öffis fahren konnte. Zu der Zeit war es unmöglich, auf eine Veranstaltung wie diese zu gehen und lange dachte ich, ich würde nie wieder auf ein Konzert oder gar ein Musik-Festival gehen können.

Aber ich wollte so gerne wieder auf ein Festival. Trotz meiner Probleme mit der Angst.

Mittlerweile geht es mir um ein gutes Stück besser, doch topfit ist meine Psyche in dieser Hinsicht trotzdem nicht. Gerade in Menschenmengen bin ich relativ anfällig für Panikattacken.

Deshalb konnte ich natürlich nicht unvorbereitet losfahren.

Wie ich euch bereits in einem älteren Beitrag erzählt hatte, war ich im Laufe der letzten Jahre immer wieder auf kleinen Konzerten und habe dort meine persönlichen Grenzen Schritt für Schritt erweitert. Auch bei anderen Veranstaltungen (oder einfach am Wochenende auf einer Einkaufsstraße) konnte ich „üben“.

Besonders seit dem Kauf der Tickets waren meine Gedanken oft bei meinen ganz persönlichen Vorbereitungen für das Festival und scheinbar waren diese nicht umsonst, denn bis auf einen kleinen Zwischenfall (in der Zuschauermenge überfiel mich einmal plötzlich die Angst, doch sobald ich aus dem regen Treiben etwas draußen war, konnte ich langsam wieder herunterfahren) lief alles sehr gut!

Deshalb möchte ich mit euch ein paar Punkte teilen, die ich befolgt habe und von denen ich überzeugt bin, dass sie auch dem einen oder anderen meiner Leser helfen könnte, trotz Angst eine so große Veranstaltung genießen zu können.

Sich gut vorbereiten

Ich habe ja schon erwähnt, dass ich mich auf das Festival besonders gut vorbereitet habe. Schließlich wollte ich so wenig Risiko wie möglich eingehen. Ich habe die Gegebenheiten des Geländes studiert und sowohl mit meinem Liebsten, als auch mit meiner Therapeutin besprochen, wo „Gefahren“ lauern können und wie ich mit verschiedenen Situationen umgehen kann.

Begleitung einweihen

Auf ein Festival fährt man selten alleine, besonders dann nicht, wenn man an einer Angststörung leidet.

Da ist es besonders wichtig, dass man seine Begleitung einweiht. Woher sollen die anderen denn wissen, was los ist und was zu tun ist, wenn man plötzlich eine Panikattacke bekommt?

Auch wenn es vielleicht etwas schwer fällt: Den Freunden Bescheid geben ist Gold wert, denn das Wissen, dass die anderen richtig reagieren können, gibt schon sehr viel Sicherheit.

Dieses Abenteuer bin ich mit meinem Liebsten und einem befreundeten Pärchen angegangen.

Mein Liebster weiß natürlich, wie es mit meinen Ängsten aussieht und obwohl meine beiden Freunde grundsätzlich wissen, dass ich mit der Angst das eine oder andere Problem habe, habe ich sie extra für das Festival noch einmal gebrieft.

Erprobte Skills mitnehmen

Skills sind eine tolle Sache, denn so werden (unter anderem) Gegenstände oder kleine Übungen, die einen in eine „akzeptable“ Anspannung bringen können.

Ein Festival ist für die meisten von uns eine Ausnahmesituation und da ist es durchaus empfehlenswert, die eine oder andere Sache mit dabei zu haben. Bei mir waren es zum Beispiel ein kleiner Knetball und ein Ätherisches Öl, welches ich mir auf ein Wattepad tropfe. Auch ein paar mentale Übungen trage ich in solchen Fällen quasi mit mir mit.

Was man mitnimmt sollte allerdings erprobt sein, denn im Falle einer Panikattacke sollte die Anwendung ihren Nutzen zeigen.

Einen Notfallplan bereit haben

Selbst für Menschen ohne Angststörung kann ein Festival sehr stressig werden. In dem Fall hat man aber eher selten einen Notfallplan an der Hand.

Für mich war ein solcher Plan allerdings sehr wichtig. Er gab mir viel Sicherheit, denn ich wusste in jedem Moment, dass ich, sollte es mir zu viel werden, ihn einfach nur Schritt für Schritt abgehen musste.

Ich wusste, in welcher Tasche ich meine Skills hatte und dass meine Freunde auch wusste, wo mein Notfallsmedikament war. Außerdem hatte ich eine Reihe von Telefonnummern (unter anderem von meiner Therapeutin), die ich anrufen konnte. Und auch die Möglichkeit nach Hause zu fahren bestand jederzeit.

Ruhepausen einplanen

Auch wenn es auf einem Festival eine gar nicht so leichte Aufgabe ist, zur Ruhe zu kommen, ist es wahnsinnig wichtig. Selbst wenn man kein Problem mit der Angst hat!

Wir haben uns für unser Lager ein Plätzchen relativ am Rand des Geländes gesucht und dort verbrachte ich auch regelmäßig Zeit damit, die Augen kurz zu zumachen, auch ohne zu schlafen, und meine Anspannung etwas abfallen zu lassen.

Wäre das nicht möglich gewesen und meine Anspannung wäre zu hoch geworden, wäre ich mit meinem Liebsten zum Auto und für ein oder zwei Stunden ein paar Kilometer vom Trubel weggefahren.

Feiern – aber ohne Alkohol

Alkohol (und auch andere, nicht legale Substanzen) kann die Stimmung verstärken. Es ist also keine gute Idee, etwas zu trinken, wenn man an posttraumatischen Belastungsstörungen oder einfach an einer Angststörung leidet.

Mit alkoholfreien Getränken macht das Feiern genauso Spaß!

Trotz Angststörung am Festival
Durch ein paar Maßnahmen konnte ich das Festival wieder richtig genießen!

Gruß und Kuss,

PiusLucius

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