Ein Jahr zusammenwohnen – meine innere Krise und das Happy End


Letztes Jahr im Sommer beschlossen Davor und ich, dass wir zusammenziehen würden. Genauer gesagt wollte ich zu ihm in seine Wohnung ziehen. Das ist an sich nichts außergewöhnliches, schließlich ziehen die meisten Paare nach einer gewissen Zeit zusammen und zu diesem Zeitpunkt waren wir über zweieinhalb Jahre in einer glücklichen Beziehung.

Die Wochen vor dem Umzug

Nach der ersten Freude überkam mich allerdings die Panik. Natürlich wollte ich mit meinem Liebsten zusammenleben, aber ich hatte zuvor noch nie woanders gewohnt. Ich war bisher in meinem Kinderzimmer daheim und hatte absolut keine Ahnung, wie es sein würde, längere Zeit mit einer anderen Person als meiner Mutter zusammen zu wohnen.

Was, wenn wir uns nur noch streiten würden? Bin ich überhaupt in der Lage, einen Haushalt in Ordnung zu halten?
Was wenn die Haustiere nicht miteinander klarkommen (gut, das Reptil würde wenig Probleme bereiten, aber wir hatten ja auch Hund und Katz‘)? Werden wir uns trennen, wenn zusammenwohnen nicht klappt?

Die Sorgen plagten mich von Woche zu Woche mehr, bis ein paar meiner Freunde sehr verzweifelte Nachrichten und Anrufe von mir bekamen. Sie bestätigten mir, was ich eigentlich schon lange wusste: Davor ist eine gute Seele und ich hätte zumindest von dieser Seite nichts zu befürchten. Aber trotzdem ging es mir immer schlechter.

Mit dem Hund übernachtete ich einige Male im Vorfeld in der „neuen“ Wohnung – die Tiere sollten sich langsam an diese Situation gewöhnen. Und sie schlugen sich gut! Besser als ich … ich war weiterhin nervös, konnte nur schlecht schlafen und war quasi ständig den Tränen nahe.

Die großen Hürden


Warum habe ich den Umzug dann durchgezogen? Nun, es hat sich irgendwie auch richtig angefühlt. Ein weiterer Schritt Richtung Erwachsensein und ich wollte unbedingt so viel Zeit wie möglich mit meinem Liebsten verbringen.
Nachdem die wichtigsten meiner Habseligkeiten in Davors Wohnung waren und ein paar Termine abgewartet wurden, war der Tag gekommen. „Da wohne ich jetzt“. Es war komisch. Die Wohnung war immer noch die gleiche wie vor ein paar Wochen und doch fühlte sie sich ganz anders an. Noch nie hatte ich so viel Zeit alleine darin verbracht.

Die ersten Tage waren für mich der Horror. Meine innere Anspannung war auf einem Level, dass ich so nicht lange weitermachen hätte können. Dazu kam, dass Mew, die Katze, immer mehr gestresst war und weder ich noch mein Hund Sweety großartig außerhalb des Schlafzimmers einen Schritt machen konnten, ohne angepfaucht zu werden. Es wurde so schlimm, dass ich sogar dachte, ich müsste mit dem Hund wieder zurück zu meiner Mutter ziehen.

Auch war ich überzeugt: ohne einen strickten Haushaltsplan würde ich es nicht hinbekommen, irgendwie Ordnung in der Sache zu behalten. Also schrieb ich zusammen, was wie oft und von wem gemacht werden sollte. Am liebsten hätte ich auch noch Wochentage dazugepackt, aber da wehrte sich mein Freund dann doch dagegen. Nur so kann ein Haushalt gut funktionieren. Dachte ich. (Spoiler: Wir haben uns nie an den Plan gehalten und trotzdem klappt es wunderbar.)

Aus verschiedenen Gründen dachte ich, da es Davors Wohnung war und er den Löwenanteil der Kosten trägt, müsste ich mich komplett unterordnen und hätte nur die notwendigsten Rechte.

Wie sich langsam alles einpendelte

Am schnellsten beruhigten sich die Tiere. Während die Katze längst nicht mehr bei jedem Schritt vom Hund pfauchte, hatte ich noch viele schlechte Träume und stand unter den ganzen Tag unter Strom.

Dass gerade das neue Semester begonnen hatte, machte die Sache nicht einfacher. Mehrmals in der Woche musste ich Sweety zu meiner Mutter bringen, um Vorlesungen besuchen zu können. Mit der Zeit übte ich mit ihr immer mehr, dass sie auch in der Wohnung mit der Katze ein bisschen und dann immer länger alleine bleiben konnte.

Langsam gewöhnte ich mich daran, nachts neben meinem Liebsten aufzuwachen und fing an, die gemeinsame Zeit zu genießen. Je mehr Zeit verging, desto weniger Panikattacken quälten mich.

Wie bereits erwähnt, hat sich keiner von uns beiden je an den Putzplan gehalten und nach ein paar Monaten nahm ich die Liste dann auch vom Küchenkastl. Trotzdem ist es bei uns (zumindest meistens) recht sauber und aufgeräumt. Und wenn nicht, dann liegen die Prioritäten zu dem Zeitpunkt gerade einfach woanders.

Das hat sich in unserer Beziehung verändert

Natürlich hat sich auch unsere Beziehung durch das Zusammenleben verändert.

Früher haben wir einander mehrmals in der Woche gesehen, aber zusammen einen Haushalt zu führen ist dann ja doch etwas völlig anderes. Das wir nicht mehr täglich telefonieren, ist nicht die einzige Sache, die sich verändert hat.

In diesem einen Jahr haben wir einander viel besser kennengelernt. Zwar kannten wir auch vorher schon auch die nicht nur super glückliche zuckerwattesüße Seite des anderen, aber der eine oder andere grantige Moment des jeweils anderen wurde uns doch erspart.

Damit will ich keinesfalls sagen, dass wir uns immer nur anmotzen oder sonst etwas in die Richtung – nein, wir erleben den Anderen aber mehr ungefiltert.

Mein Liebster sieht meine guten Tage, aber er sieht auch, wenn ich von Hochspannung, Angst, Depression oder einfach dem Kudelmuddel meiner Gefühle gequält werde. Ich sehe die guten Tage meines Liebsten, aber ich sehe auch, wenn er grad keine gute Laune hat, weil einfach mal alles doof ist.

Auch haben wir die eine oder andere Überzeugung, die wir in uns getragen haben überdacht. Als kleines, öffentlichkeitstaugliches Beispiel: Mein Freund wollte nie Deko. Ich wollte Deko. Als Kompromiss beschlossen wir, dass ein kleines bisschen Deko okay ist. Mittlerweile basteln wir auch gemeinsam und mein Liebster macht sogar Vorschläge, welches Motiv ich als nächstes malen könnte, damit es zur Jahreszeit passend aufgehängt werden kann …

Ein Jahr später

Die letzten Monate haben uns noch mehr zusammengeschweißt. Das Gefühl, keinerlei Rechte in meinem Zuhause zu haben, ist vollkommen gewichen. Die Wohnung ist zu unserem Zuhause geworden und sind wir unsere eigene kleine Familie.

Auch bin ich in vielen Dingen sehr viel selbstsicherer geworden, durch all die Erfahrungen des vergangenen Jahres. Und wenn ich trotzdem mal nicht weiter weiß, sind um mich herum liebe Menschen, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. (Zum Beispiel meine Mutti, wenn ich leicht panisch anrufe, weil die Waschmaschine Geräusche macht, die sie normalerweise nicht macht…)

Der Umzug war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte!

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